Aderlass Mittelalter

Blutvergießen im Mittelalter

Mit an Bord, wenn eine Reise ins Mittelalter bevorsteht? Mittelalterliche Medizin, St. Gallen, Stiftsbibliothek, Hrsg. von

kurz! Geschichte: Blutvergießen im Mittelalter

"Die positiven Befunde eines Doktors im Mittelalter hätten nach einem der Ältesten überhaupt klingen können: Aderlass oder Aderlass. Dieser Artikel ist dieser ärztlichen Behandlung gewidmet und soll aufzeigen, wo die Ursachen des Blutvergießens zu suchen sind, wann und gegen was die Methode im Mittelalter angewendet wurde und wer und vor allem wie jemand geblutet wurde.

Heute ist es nicht mehr möglich festzustellen, wann und wo Aderlass zum ersten Mal geübt wurde. Blutvergießen spielt auch in der altgriechischen Medizin eine große Bedeutung. Kein Wunder, denn die Medizin der antiken Griechenland basierte im Allgemeinen auf den Grundsätzen der Humoralpathologie: Die Mediziner nahmen an, dass ein Missverhältnis der vier wichtigsten menschlichen Körperflüssigkeiten (Blut, Schleim, schwarzer und gelber Gallensaft) zu Erkrankungen führen würde und dass diese durch Abfluss von Körperflüssigkeiten bekämpft werden können, da dies die einzige Möglichkeit war, das korrekte Körperflüssigkeitsverhältnis wieder herzustellen.

So war die Einbindung des Blutvergießens - bei dem der menschliche Organismus durch eine bestimmte Blutmenge von gesundheitsschädlichen und pathogenen Fluiden befreien soll - in die Medizin der antiken Griechen durch die Ausrichtung auf die Safttheorie leicht möglich. Im Zeitalter der (frühmittelalterlichen) klösterlichen Medizin, die mit der Errichtung des Benediktiner Klosters auf dem Cassino im Jahre 529 ihren Anfang nahm, war der Aderlass als Heilmittel auf der Grundlage der Kenntnisse alter Manuskripte aus den Bibliotheken des Klosters sehr populär und weit verbreite.

Der Aderlass wurde wahrscheinlich schon im 6./7. Jh. in vielen Klostern regelmässig durchgeführt und genoss vor allem in den Benediktinern große Popularität. Jahrhunderts war die Gewinnung einer bestimmten Blutmenge über die Ader ein so wesentlicher Bestandteil des klösterlichen Alltagsgeschehens, dass selbst Consuetudine, die neben der Klosterherrschaft für alle Bereiche des Klosters gilt, sich dem Aderlass widmete und Instruktionen über das weitere Verfahren, zum Behandlungszeitpunkt und für die Zeitdauer enthielt.

Zum Beispiel gibt es Consuetudines, die vorschreiben, dass ein Ordensbruder nur höchstens drei Mal innerhalb eines Jahrs ausgeblutet werden darf, während andere Weisungen vorsehen, dass Aderlass erst nach der Messe oder dem Essen durchgeführt werden darf. Einzelne Bauten, die so genannten Aderlaßhäuser ( "Minutorium" oder "Phlebotomie"), die speziell für die Aderlassuntersuchung gebaut und in der Regel beheizt wurden (Calefactorium) oder besonders für die Aderlassuntersuchung, zeugen ebenfalls davon, wie viel Aderlass zu einem integralen Bestandteil des monastischen Lebens geworden war.

Auch die Praxiserfahrungen der Kloster mit der heilenden Behandlung des Blutvergießens wurden unmittelbar auf die Lehrtätigkeit der ersten Universitäten in Europa im XIII. und XVII. An der Universität wurde der Blutvergießen weiter betrieben, zum "Allheilmittel" deklariert und hat sich rasch zum meist praktizierten operativen Verfahren aller Zeiten entwickelt.

Das Aderlass am Rachen sollte bei Zahnweh oder Magengeschwüren Abhilfe schaffen, die Ellbogenvenen wurden zur Behandlung von Benommenheit, Krämpfen oder Fallsucht aufgeschlitzt oder durchstochen. Aderlass wurde auch am Daumendruck durchgeführt. 2 x audit sonnt vf dem tovmen an der rechten Seite, also ein sy lausset, das ist für die Befeuchtung des Huptz vnd [....] für alle möglichen Fieberarten, und zwar vor allem gegen das Vier-Tage-Fieber".

Die Daumenblutung wurde daher offenbar zur Behandlung von Kopfweh und Angst eingesetzt. Durch die große Anzahl von Lasspunkten, den Körperteilen, an denen eine Aderlaßbehandlung möglich ist, entstehen unzählige Aderlaßbahnen und Aderlaßbücher, in denen die Bedeutung und Wirkungsgebiete der jeweiligen Lastpunkte aufgelistet werden. Auch die so genannten Aderlass-Männer erschienen, die die Mediziner und Operateure grafisch darüber informierten, wo der invasive Vorgang durchgeführt werden sollte.

Diese waren eine Form der Orientierung für den Venenschneider, so dass er für eine rasche Therapie die Venesektionspunkte am Patienten unmittelbar bestimmen konnte. links: Aderlass männlich aus dem "Buch der Natur" von Konrad von Megenberg, XVI. Jh., rechts: Aderlass männlich, XV. Jh. Aber nicht nur gegen Erkrankungen, sondern auch durch Blutuntersuchungen, bei denen das gesammelte Blut anhand von Farben und Blutgerinnungsformen bewertet wurde, war es mitunter nur möglich, Erkrankungen zu erkennen.

"Sei ze the blood after the phlepotomy, for instance, "wyß Form than des Mentschen spaichel, das betüt den Huosten vnd das der mentsch an der langun siech wollen. "Das weiße oder farblose Bluten - wahrscheinlich durch einen pathologischen Überfluss an weißen Blutkörperchen hervorgerufen - wurde daher offenbar als Hinweis auf eine künftige Lungenkrankheit angesehen, während braun geflecktes Bluten auf eine Lebererkrankung hindeuten würde.

In den Klöstern wurde die Phlebomie jedoch nicht nur zur Diagnose oder Therapie von Erkrankungen, sondern auch zur vorbeugenden Blutwäsche oder zur Steigerung des allgemeinen Wohlergehens eingesetzt. Darüber hinaus sehen die Brüder im Aderlass eine Gelegenheit zur Erholung, zur sportlichen Aktivität und durch die oft mehrfach im Kirchenjahr verankerte Betreuung des Gemeinschaftssinns, weil sich die Brüder gegenseitig Aderlass geben.

Vor allem die Kloster haben sich zu Anfang des fünfzehnten Jahrhundert zunehmend von der Aderlassbehandlung abgewandt. Damals waren die Operation und der damit verbundene Aderlass so niedrig, dass der Klerus den Aderlass nicht mehr für angemessen hielt.

Nicht mehr nur in Klöstern und Hochschulen wurde Aderlass betrieben, sondern im fünfzehnten Jh. wurde diese "geringere" Aktivität auf Feldärzte, Wund-Ärzte und nicht wissenschaftlich anerkannte Badegäste übertragen. Es wurden keine Äderchen mehr gepunktet oder aufgeschlitzt, aber die Schale war leicht eingeschnitten, so dass nur noch eine kleine Blutmenge abgesaugt werden konnte.

Bis in die Hälfte des neunzehnten Jahrhundert blieb der Aderlass der häufigste chirurgische Vorgang und wurde immer noch von Ärzten und Badegästen ausgeführt. Die mit der Venenthrombose zusammenhängenden Probleme wurden erst jetzt erstmals zusammengefasst. Damit sind arterielle Verletzungen ebenso möglich wie schwere Infektionen im Punktionsbereich oder eine Lungenembolie durch Aderlass am Nacken.

Die Aderlässe spielen in der Schulmedizin kaum noch eine große Bedeutung. - Eiff ( "Becker, Peter; Übergaauw, Eef"): Aderlass und Entmutigung der Seele. Hrsg.: Ausgaben und Untersuchungen zur lateinamerikanischen und mittelalterlichen Prosa. Festgeschenk für Gundolf Keil zum 65-Jährigen (Text und Wissen 3), Würzburg 2000, S. 45-66 - Der Aderlass.

Ein klösterlicher A monasticus, in: Studies and Notes on the History of the Benedictine Order and its Branches 110 (1999), pp. 57-71 - Keiler, Gundolf: Ein Aderlass Büchlein des 15th Jahrhundert.

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