Angst vor der Arbeit Psychotherapie

Arbeitsfurcht Psychotherapie

Sie benötigen keine klassische Psychotherapie oder Psychopharmaka*!... für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Göttingen.

Wenn sie vor drei Jahren ihren Job verliert, ist sie den ganzen Tag ihrer Angst ausgeliefert. und Sicherheit, den möglichen Verlust von Arbeit oder sozialer Position.

mw-headline" id="Definition">Definition[Bearbeiten | < Quelltext bearbeiten]

Arbeitsplatzpobie ist eine Angsterkrankung (Phobie), eine starke und lähmende Angst vor dem Arbeitsort und vor den mit dem Arbeitsort oder dem Berufsleben verbundenen Zuständen, Objekten oder Person. Nach der allgemeinen Phobiendefinition (DSM-IV; ICD-10, V, Kap. F) besteht eine Arbeitsplatzpathobie, wenn die tatsächliche Auseinandersetzung mit oder bloßes Präsentieren des Arbeitsortes oder bestimmter Reize am Arbeitsort (z.B. Menschen, Veranstaltungen, Objekte, Sachverhalte ) zu einer deutlichen Reaktion von Angst und Vermeidung in Bezug auf den Arbeitsort oder arbeitsbezogene Reize führt.

Wenn man sich dem Arbeitsbereich oder dem arbeitsplatzbedingten Reiz nähert, der Angst auslöst, sowie wenn man sich diese intensiv vorstellt, kommt es in der Regel zu einem Ansteigen der Angst. Damit einher geht eine Zunahme der physiologischen Aufregung, z.B. durch Symptome wie Tremor, Schweißausbrüche, Tachykardie, Halsschmerzen, Hitzewallungen oder kalte Duschen, was zur Entstehung einer Überfallkrankheit führen kann.

Das Vermeiden oder Weggehen vom Arbeitsplatz führt zu einem Abbau von Angst im Sinn einer herkömmlichen sogenannten Negativverstärkung. Erfreulich ist das Ausweichverhalten, da es die Angst abbauen und damit zugleich intensivieren kann. Infolgedessen führt die Arbeitsplatzpathobie in der Regel zur Beschäftigungsvermeidung, d.h. in den meisten Fällen zur Erwerbsunfähigkeit ("Krankheitsurlaub").

Das Risiko einer Verallgemeinerung des Ausweichverhaltens ist groß, wie z.B. die Umgehung der Strasse, in der sich das Unternehmen befindet, die Auslassung von Veranstaltungen oder Stellen (z.B. lokale Supermärkte), an denen Kolleginnen und Kollegen oder Vorgesetzte zu treffen sind, oder auch von Angstanfällen, wenn nur das gesprochene Wort an den Arbeitplatz kommt. Arbeitsplatzbezogene Stressreaktionen können durch arbeitsplatzbezogene Faktoren hervorgerufen werden, aber auch durch primäre psychische Krankheiten (insbesondere Angststörungen), die sich in besonderem Maße in Beziehung zum Arbeitsumfeld ausdrücken.

Arbeitsphobien werden oft nach Strukturveränderungen in der Arbeitsumgebung, im Arbeitsinhalt oder nach Personalveränderungen gefunden. Arbeitsplatzpathobie ist ein eigenes medizinisches Problemfeld mit eigenen Entstehungsfaktoren und Therapieanforderungen. Das liegt an den besonderen Merkmalen des Reizes, der Angst auslöst: Der Arbeitsort ist kein leicht erkennbarer Reiz wie eine Kreuzspinne oder die U-Bahn, sondern ein komplexes Reizmoment, in dem situationsbezogene und interaktionale Faktoren zusammenlaufen.

Der Verzicht auf den Job hat regelmäßig nachteilige Auswirkungen auf die biografische Gesamtentwicklung (langfristiger "Krankenstand", Arbeitsplatzverlust, Vorruhestand). Das Vermeiden des Arbeitsumfeldes kann zur Zeitaufzeichnung der zugrunde liegenden Erkrankung beizutragen, indem es die eigenen Erfahrungen des Betroffenen mit Unzulänglichkeiten und Fantasien über die Bedrohung der Modelle für dysfunktionale Störungen bündelt. Anders als bei Straßen oder U-Bahnen kann der Arbeitsort nicht immer und überall in anonymer Form eingegeben werden.

Die therapeutischen Belastungsübungen am Arbeitplatz unterliegen großen Einschnitten. Die besondere Problematik bei der Behandlung der Arbeitsphobie besteht darin, dass die üblichen Belastungsübungen bei Phobiekrankheiten mit der Option einer stufenweisen Herangehensweise an die Angst auslösende Problematik äußerst problematisch, wenn nicht gar unmögli-ch sind. Der Therapeut kann die Außenbedingungen am Arbeitplatz nicht oder nur unzureichend kontrollieren, so dass eine planmäßige und therapiegerechte Belastung nicht ohne weiteres möglich ist.

Anwendbar sind Situations- und Verhaltensanalysen, die Erarbeitung von Handlungskompetenzen, die Verarbeitung des Anforderungsniveaus, Grundsätze des Reframings und des Furchtmanagements, Konfliktklarstellungen oder sinnliche Darstellungen. Das spezifische Therapieinstrument kann auch "occupational stress testing" sein, das in den vergangenen Jahren in einer Vielzahl von Psychotherapie-Fach- und Rehakliniken vorgestellt wurde.

Man kann darüber diskutieren, ob die Arbeitsphobie als eigene Krankheitsursache oder als Zeichen anderer Erkrankungen angesehen werden sollte. Angesichts der Besonderheit bei der Entstehung der Arbeitsphobie, ihrer spezifischen klinisch und sozio-medizinischen Folgen und der Besonderheit der Behandlung erscheint es vernünftig, sie zu therapieren und als selbständige Volkskrankheit einzustufen. Ähnlich wie bei einem Myokardinfarkt, der auch nicht mehr als ein zusätzliches Zeichen eines Stoffwechselsyndroms oder einer Gefässerkrankung ist, aber aufgrund der Eigenschaften der Symptome, ihrer Folgen, Prognosen und Therapieanforderungen trotzdem einen eigenen Krankheitszustand aufweist.

Häufig erfahren die Betreffenden ihre arbeitsbedingte Angst als fundiert, bedingt durch reale Auslöser der Angst, wie z.B. eine Mobbing-Situation. Diesem oft wahrgenommenen Angemessenheitsgrad der Angst am Arbeitsplatz steht die vermeintliche Unzulänglichkeit oder Übertreibung der Angst bei den meisten bekannt gewordenen spezifischeren Phänomenen gegenüber. Nach dem Diagnosecode ICD-10 kann die Arbeitsplatzpathobie unter der Bezeichnung Wb40. 8 (Sonstige Phobie ) bezeichnet werden.

Arbeitsplatzpobie: Psychologische und psychophysiologische Mechanismen. 9, 2002, S. 129-145. Michael Linden, Beate Muschalla: Arbeitsplatzpobien und Arbeitsplatzpobie.

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