Anna new York

Annas New York

Nach ein paar Monaten hat Olivia ihn ohne Grund verlassen, obwohl er sie mit einer Reise nach New York überraschen wollte. Auf diese Weise hat Anna Delvey ihren Weg in die New Yorks High Society gefunden. Sie gab so viel aus, als könne sie es nicht rasch genug los werden. Aber in einer solchen Großstadt wie New York, in einer Zeit wie dieser, in der sie sich bewegt hat, hat das niemand bemerkt. Daß Anna Delvey gelegentlich befreundete Personen gebeten hat, für sie ein Taxi zu ordern und den Fahrpreis auf ihrer Karte zu buchten.

Daß sie sich für kurze Reisen nach Venedig geliehen hat und dann ihre Schuld "vergaß". Dies ist die Story von Anna Delvey, die eigentlich Anna Sorokin heisst und sich mit einem betrogenen, glamourösem Jet-Set-Leben inklusive eines gefälschten "Trust Fund" in die High Society von New York hineintrickte. Dies ist die Story, von der dieses beschissene New York im Moment nicht genug haben kann.

Das New York Magazine publizierte Ende Mai einen langen Bericht über das sagenhafte Schicksal einer roten Dame mit Püppchengesicht und Céline-Sonnenbrille, die sich Anna Delvey hieß und sich als Erbe einer wohlhabenden dt. Famile ausgab. In New York hatte Delvey alles, was zählt: gutes Äußeres, die richtige Freundin, die richtige Kontaktperson und genug Kohle, um sie von ihrer Großartigkeit zu überreden.

Der Bericht der Publizistin Jessica Pressler zeigt, wie die 27-Jährige mit ihrem Lebensstil viele Jahre lang renommierte Herausgeber, Galeriebesitzer, Künstler, Geschäftsführer und Unternehmen geblendet und schließlich einen spektakulären Eindruck hinterlassen hat. Solarinstallationen, Antiquitätenhandel: Delvey erzählt ihren Freundinnen diverse Berichte über den Beginn ihres Aufschwungs. Die " Erbe " Anna Delvey ist in Wirklichkeit Anna Sorokin, kommt aus Russland und ist mit ihrer ganzen Familie nach Deutschland gezogen, als sie 16 Jahre war.

Anna Sorokin wurde dort Anna Delvey und ihr ganzes fiktives und reiches Privatleben begann: Reisen nach Ibiza und Venedig. Das ist noch ein weiter Weg: Delvey erzählte ihren Freundinnen von ihrem großen Vorhaben, in New York ein interdisziplinäres Kunstzentrum mit Restauration, Kneipe, Hotel aber auch Ausstellungsräume zu errichten.

Bei der Umsetzung der Anna-Delvey-Stiftung hatte die Jugendliche bereits Fachleute aus der Kunst- und Gastronomiebranche konsultiert, Gestalter für Branding-Aufgaben verpflichtet und ein Haus an der Parkautobahn ausgewählt. Zur Einziehung der 25 Mio. Dollar, die sie für dieses Mega-Projekt benötigt, soll Delvey mit Hilfe eines Anwaltes einen Darlehensvertrag mit mehreren Kreditinstituten abgeschlossen haben.

Hinzu kommen schlechte Checks, mit denen Delvey ihren Lebensstil finanziert hat, nicht bezahlte Hotelkosten, Freundinnen und Geschäftsfreunde, die um ihr eigenes Vermögen betrogen wurden. Delvey ist mit einem Freund der Zeitschrift "Vanity Fair" und zwei weiteren Bekannten nach Marrakesch gereist, hat acht Tage in einer privaten Villa im Luxus-Resort "La Mamounia" gebucht (7000 US-Dollar pro Nacht).

Anna Delvey wurde letzten Monat in New York inhaftiert. Teuere Klamotten, eine landschaftliche Szenerie, ein trendiges Gesamtkunstwerk, der passende Filter: das glanzvolle Treiben, das so viele Menschen auf Instagramm mühevoll zusammen mit bildhübschen Bildern verwirren, hat Delvey nicht nur im Internet, sondern auch in der Wirklichkeit inszeniert. Warum dann das Schicksal einer wohlhabenden Dame, die ihre Freundinnen zum Abendessen ins "Le Coucou" eingeladen und Rick Owens T-Shirts verschenkt hat?

Vor allem in New York, wo Größenwahn gefeiert und gefördert wird, erschienen ihre skurrilen Planungen für eine Anna-Delvey-Stiftung nicht so abwegig. "Annas Leben war ein New Yorker Wunschtraum, der sich wie jene Abende anfühlt, die nie zu Ende sind. An diesem Wunschtraum wollen viele teilnehmen und Delvey verfolgt dieses Vorhaben auf ihre eigene Art und Weise. 2.

In Fünfsternehotels lebt Delvey nicht mehr. Dennoch eignet sich ihr bisheriges Dasein für den Film.

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