Anthropologie Medizin

Ethnologische Medizin

mw-headline" id="Gegenstand">Gegenstand[Edit | < Quelltext bearbeiten] Der Bereich der medizinischen Anthropologie, auch bekannt als Medizinhygiene, ist ein Bereich der Anthropologie (Ethnologie oder Sozial- und Kulturanthropologie). Anders als die ethnomedizinische Medizin (Ethnomedizin), die sich überwiegend mit der Vergleichsuntersuchung von traditionellen medizinischen Systemen beschäftigt (siehe Traditionsmedizin ), betrachtet die Medizinerethnologie medikamentöse Erscheinungen wie z. B. Ge undheit, Krankheiten und Genesung als gesellschaftliche Erscheinungen in der Kulturgeschichte.

In Anlehnung an die anglo-sächsische medizinische Anthropologie, die sich im Gegensatz zur ethnomedizinischen auch mit der Pathodemografie (Zusammenhänge zwischen Krankheitshäufigkeit und -verteilung) beschäftigt[1] und eines der forschungsstärksten Gebiete der kulturellen und sozialen Anthropologie in den USA und Großbritannien ist, werden in der medizinischen Anthropologie alle kulturgeschichtlichen Erscheinungen im Zusammenhang mit Erkrankung, Ge undheit und Genesung erforscht.

Es basiert auf ethno- logischen Thesen und Verfahren, die auf die Themenobjekte der medizinischen Ethnologie - also gesundheits- und medizintechnische Vorstellungen, Praxen und Erfahrungswerte in ihrer gesellschaftlichen und multikulturellen Diversität - angewandt werden. Sie unterscheidet sich damit von der Völkermedizin, die sich stärker durch biomedizinische oder psychiatrische und psychologische Zugänge auszeichnet und die ethnische Verfahren vor allem für diese Fachgebiete verwendbar macht.

Darüber hinaus zeichnet sich die medizinische Ethnologie durch eine umfassende Betrachtung der kulturellen und sozialen Diversität von Krankheiten, Gesundung und Genesung aus: Dabei werden diese Fragen im globalen Kontext betrachtet und dabei vor allem die kulturellen Bedingungen der "Biomedizin" (auch "westliche Medizin" oder "Schulmedizin" genannt) thematisiert. Die Expansion der medizinischen Anthropologie im angelsächsischen Sprachraum wurde vor allem durch die Tätigkeit der 1997 in Frankfurt a. M. gegründeten Arbeitsgemeinschaft Medizinische Anthropologie der Dt. Ethnologischen Fachgesellschaft getrieben, die sich seitdem mit dem Auf- und Ausbau der medizinisch-anthropologischen Erforschung und Lehrtätigkeit im angelsächsischen Sprachraum beschäftigt.

Sie haben ihre Forschung in einer Serie von Konferenzen und Anthologien[2][3][4] vorgestellt: Ihre Arbeiten konzentrieren sich sowohl auf kulturvariable Interpretation von Gesundung, Krankheitsbewältigung und Genesung als auch auf lokale, nationale und globale Machtverhältnisse, in die das Wirken von Individuen und größeren sozialen Körperschaften im Hinblick auf diese grundsätzlichen Fragen der menschlichen Lebenswirklichkeit eingebunden ist.

Heutzutage sind medizinische Ethnologen in verschiedenen lokalen und themenbezogenen Kontexten tätig und betreiben Forschung: Weitere Wissenschaftler erforschen die globale Ausbreitung und Vermarktung der klassischen oder alternativen Medizin, wie z.B. der traditionell-schinesischen Medizin (TCM) oder der Ayurveda-Medizin, und das Zusammenspiel dieser Formen der Medizin mit der biomedizinischen Medizin. Weiterführende Forschung widmet sich den Fragen von Gesundung, Leid und Heilen im Rahmen von Flug und Migration: Auch hier wird der tiefe Bezug zwischen baulichen und gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen - z.B. in Gestalt von gesetzlichen Vorschriften zur Gesundheitsfürsorge für Asylbewerber - und der objektiven Erfahrung von (körperlicher, seelischer und sozialer) Behinderung, Gefährdung, Wohlbefinden nachvollzogen.

Als viertes Beispiel für die medizinisch-ethnologische Erforschung ist die Erforschung von technologischen, ethischen und politischen Aspekten der sogenannten assistierten Reproduktionstechniken zu nennen: Dabei werden beispielsweise die Folgen und Dilemmata betrachtet, die sich für Ehepaare stellen, die ihren Wunsch nach Kindern durch künstliche Befruchtung und Stellvertretung zu verwirklichen suchen, sowie für Schwangere, die mit Kindern für weitgehend unbekannte und aufgrund unterschiedlicher einschränkender einzelstaatlicher Rechtsvorschriften aus verschiedenen Gründen "Wunscheltern" leben.

Der Arbeitskreis Medizinische Anthropologie der DAV arbeitet intensiv mit der Medizinischen Anthropologie Schweiz[5], dem Medical Anthropology Network innerhalb der European Association of Social Anthropologists (EASA)[6] und dem Medical Anthropology Young Scholars Network innerhalb der EASA[7] zusammen und verfolgt daher bei seinen Tätigkeiten die internationalen Diskussionen zur medizinischen Ethnologie intensiv.

Heute ist die medizinische Ethnologie in der Erforschung und Lehren an folgendem Universitätssystem im deutschen Sprachraum präsent und legt dort einen besonderen Fokus auf die entsprechenden Studiengänge (BA und MA): Uni Basel, FU Berlin, Justus-Liebig-Universität Giessen, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Westsächsische Wilhelms-Universität Münster, Westsächsische Universiät Münster, Eberhard Karls-Universität Tübingen, Universiät Wien. Karriereperspektiven für Ethnologinnen und Ethnologinnen mit medizinisch-ethnologischem Wissen entstehen z.B. im Rahmen der länderübergreifenden Kooperation, in Nicht-Regierungsorganisationen, die im Rahmen der Gesundheits-förderung tätig sind, im Rahmen der Migrationsforschung und auch in der Erwachsenenerziehung (z.B. bei der interkulturellen Kompetenzerwerb von Gesundheitspersonal).

Hans-Jörg Dilger, Bernhard Hadolt: Medizinische Anthropologie. Reimer, Berlin 2012, ISBN 978-3-496-02844-4, S. 309-329 Winfried Effelsberg: Intercultural Conflicts in Medicine. Medizinische anthropologische Aspekte. Ort: Würzburg Medizinhistorisches Merkblatt. Jahrgang 3, 1985, S. 29-40 Katarina Greifeld (Hrsg.): Medizintechnik. Reimer, Berlin 2013, ISBN 978-3-496-02859-8 Thomas Lux (Hrsg.): Kulturdimensionen der Medizin. Volksmedizin - Medizinische Ethnologie - Medizinische Anthropologie.

Nikolaus Münzel: Kurzanleitung zur Völkermedizin, Berlin 2003, ISBN 3-496-02766-5. Ort: Würzburg Medizinhistorisches Merkblatt. Jahrgang 3, 1985, S. 5-9, vor allem S. 4 und S. 3, 1985, S. 6-9 und vor allem S. 6 Bo. Ludwig, Beatrix Pfleiderer-Becker: Werkstoffe für die Völkermedizin. In Bensheim 1978 (= Spectrum of the Third World, 15), in particular p. 11. Website: AG Medical Anthropology. Arbeitskreis Medizinische Anthropologie in der Dt. Ethnologischen Gemeinschaft.

Medizinische Anthropologie: Body, Health and Healing in a Globalized World. Die Arbeitsgemeinschaft Medizinische Anthropologie der DGB. Hochsprung Nikolaus Münzel: Kurzanleitung zur Völkermedizin. Ort: Würzburg Medizinhistorisches Merkblatt.

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