Ilse Middendorf der Erfahrbare Atem

In Ilse Middendorf der Erlebnisatem

"Der Atem hat eine lebenserhaltende Funktion. Der Atem kann erlebt und erlebt werden. Den Atem, der erlebt werden kann: Eine Atemlehre.

Ilse Middendorf, der Atem, den man erleben kann.

Der Atem entwickelt nach und nach "Substanz" und Eigenschaft, die zum Werden des Menschen beizutragen. Aus dem Atem, in dem urrhythmische Ereignisse und Schöpferkraft eingeschlossen sind, entspringen durch Stretching, Pressure Point Work und Stimmraumbildung Bewegungsabläufe. Der Erfahrungsatem zwischen dem vom Wille geleiteten Atem und der unbewussten Atemfunktion kommt zum Vorschein, der es durch Sammlung, Fühlen und Atmung ermöglicht, Körper, Seele und Geist zu vereinen.

Prof. Ilse Middendorf (1910-2009) war die Gründerin der Lehrtätigkeit "The Experienceable Breath".

In Ilse Middendorf wurde die Atemtheorie entwickelt: Der Erlebnisatem.

Die gelernte Sportlehrerin Ilse Middendorf interessierte sich schon immer für Sporttechniken und Gymnastik, aber diese nur körperbezogenen Verfahren konnten sie nicht ganz ausdrücken. Sie war auch fasziniert von der Arbeit mit der Atmung, aber hier konnte sie sich nie ganz mit dem ausschließlich willenstarken Weg oder mit den orientalischen Praxen anfreunden. Einerseits war es die Arbeit mit der Atmung.

Sie hat ihre eigene Unterweisung entwickelt, die sich auf das Prinzip konzentriert, den Atem in aufmerksamem Umgang zum Vorschein kommen zu laßen, aber nicht, ihn absichtlich zu prägen. Daraus ergab sich das simple Prinzip: Auf diesem Prinzip aufbauend, hat sie ihre Atmungsbehandlungsmethoden und eine Fülle von Atmungsübungen entwickelt. Ihre Lehren, die aus den Erfordernissen des heutigen Westmenschen entstanden sind, haben es ihr auch ermöglicht, zu erkennen, dass der Mensch seinen eigenen Atem durch Atmen, Konzentration und Fühlen erleben und dauerhaft mitgestalten kann.

Schließlich gab ihr ihre ganz besondere Arbeitsweise mit dem Atem ihren Namen: Das Erlebnis Atmung®.

Die Erfahrungsatmung

Dabei handelte es sich nie um ein Theoriekonstrukt über den Atem, sondern um die direkte Wahrnehmung des Atemzuges selbst, die Ilse Middendorf ihren Teilnehmerinnen nahe bringen wollte. Niemand rechnet mit einer langen Eröffnungsrede von mir, denn ich ziehe es vor, in der Praxis meiner Arbeiten zu sein. Man muss es nur lernen. Deshalb habe ich später, vielleicht mitten in meinem Job, den richtigen Namen für meine Aufgabe gefunden: Experiential Breath.

Damals war ich auf der Suche nach einem geeigneten Namen und nachdem ich diesen Namen entdeckt hatte, meinte ich: Es ist ganz simpel, weil man ihn erleben muss. In der Regel ist der Mensch es gewöhnlich leid, vom Geist zu lernen. Das heißt, wir sind die ganze Zeit geistig tätig und denken: "Was kann ich mit mir selbst machen?

Mit dieser mentalen Lebenseinstellung haben wir ein schönes Ich ( "lacht") und erkennen oft nicht, wie egocentric es ist. In dem erfahrungsmäßigen Atem schenken wir die Überlegenheit des Ichs - dem Atem. Über die Jahre habe ich viele Yogapraktiker getroffen, die sich neben dem Yoga auch mit der Erlebnisatmung auseinandersetzen.

Es wurde als eine große Erleichterung empfunden, denn in Panayama wird der Atem geregelt und in Experiential Breath wird der Atem viel direkter erlebt. So werden diese beiden Verfahren immer wieder als sinnvoller Zusatz erlebt, denn man kann durch den Erfahrungsatem erlernen, etwas passieren zu laßen und sich dem irdischen Wesen zu anvertrauen, anstatt immer etwas zu tun oder etwas tun zu müssen.

Ilse Middendorf konnte auch erleben, wie viel einfacher das eigene Überleben werden kann, wenn wir uns dem eigenen Dasein und damit auch dem Atem auseinandersetzen. Mit dieser bedingungslosen Zuwendung zum erlebbaren Atem konnte sie nicht nur zwei Weltkriege gut überstehen, sondern auch im Laufe ihres Schicksals eigene Schicksalsstöße akzeptieren. Die Atmung unterstützte sie so gut, dass ihr vorgeworfen wurde, mit dem Atem geheiratet zu sein.

Diese direkte Berührung mit dem Atem, diese Verbundenheit mit dem Atem und seine Annahme als geistiger Meister geht nur nach Middendorf, wenn wir uns ihm ganz hingeben: Ilse Middendorf hat im Verlauf ihres Leben viele Menschen mit dem Erlebnisatem in Berührung kommen lassen. Mit 90 Jahren zieht sich die Grande Dame immer mehr aus ihrem Haus zurück, denn auch für einen so erfahrenen Atemtherapeuten ist alles vorübergehend und die Stärke ihres Leibes nimmt ab.

Bei der agilen alten Atmungsmeisterin habe ich gefragt, wie sie als eine solche lebensbejahende Person erlebt hat, wie ihr körperlicher Zustand geschwächt und ihr Atem verkürzt wurde: Sie hinterließ eine Atmungsschule in Berlin, die heute von ihrem eigenen Kind geleitet wird, und viele Studenten, die auf der ganzen Weltkugel wohnen und das große Vergnügen hatten, von der Grande Dame of Breathing Therapy unterrichtet worden zu sein.

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