Maya Rituale und Opfer

Maya-Rituale und Opfer

So waren die Priester in ihren Opferritualen nicht zimperlich. Skizze der Maya-Opferrituale (Foto: SWR). Opferrituale der Maya Die Maya wurden lange Zeit von der Naturwissenschaft als harmlos angesehen. Mehr wir über dieses geheimnisvolle Menschen erfahren, umso mehr wird klar, dass die Maya das exakte Gegenstück waren. Die Opferrituale waren in ihrer Brutalität kaum zu übertreffen und wurden im Überfluss aufgeopfert.

Vor allem der mürrische Regen-Gott Chaac war gut gelaunt und dementsprechend grosszügig.

Diego de Landa beschreibt im XVI. Jh. eine Maya-Opferzeremonie, und was er sehr detailliert beschreibt, ist sicherlich nichts für einen schwachen Magen. Mit lebhaften Texten beschreibt er, wie das Opfer zuerst auf dem Hochaltar ermordet und dann von der Pyramidenplattform geschleudert wurde. Die leblosen Leichen rollten die steile Treppe hinunter und schlugen schliesslich auf den Untergrund.

Dann wurde das Opfer enthäutet; nur die Arme und Beine sind weg. Endlich sagt eines der Zehn Gebote: Du sollst nicht umbringen! Jedenfalls ist es das, was der mexikanische Archäologe Guillermo de Anda vorschlägt. Er untersuchte 127 Gerippe aus der Kollektion des Völkerkundemuseums von Mexiko-Stadt, die in den 1960er Jahren aus dem Cenoten von Chichén Itzá gefunden worden waren.

Das Resultat von de Anda spricht dagegen.

Die Geschlechtsbestimmung von Kindern ist kaum möglich, aber von den 20 Prozentpunkten der ausgewachsenen Menschen waren zwei Dritteln männlich. Das Alter der Frauen zeigte, dass sie zwischen 20 und 35 Jahre alt waren. Auf den Gebeinen und besonders auf den Schädeln sind die Überreste der Grausamkeiten der Priester zu sehen. Typische Einschnitte über der Stirne, an der Schläfe und an den Ohrmuscheln sind immer wieder zu sehen.

Den Kindern wurde die Haut abgezogen. In einigen Fällen wurde der Kiefer durchtrennt, andere bezeugen massive Schläge auf den Nacken. So waren die Pfarrer in ihren Opferbräuchen nicht überempfindlich. Einige Opfer haben Enthauptungsspuren. Dies fällt mit den Repräsentationen der berühmten Maya-Ballspiele zusammen. Auf den Bildern fließt dem Opfer als siebenköpfige Schlangenblut aus dem Nacken; ein Zeichen der Fertilität.

Sie haben geglaubt, dass dort, wo das Opferblut in den Erdboden sickert, der Lebensbaum heranwächst. In Chichén Itzá gibt es mehrere hundert dieser Spielplätze, der grösste seiner Gattung. Als eine der beliebtesten Möglichkeiten galt es, das schlagkräftige Herzen aus dem Opfer herauszureißen, während es noch am Leben war. De Anda konnte bei wenigstens zwei Toten die für den Küstenbogen charakteristischen Wunden aufzeigen.

Brandflecken können auf einigen der Gräten gefunden werden, aber normalerweise nur bei Kleinkindern. Diese sind besonders oft an Schädelfragmenten, manchmal aber auch an Rippen und Wirbeln zu sehen. Und Guillermo de Anda hat auch eine gute Einsicht. Dort wurden sie lebendig niedergebrannt, die verbrannten Gebeine schleuderten die Gewinner in den Fluss Xibalba.

Aus den sinkenden Gebeinen wurden wieder so genannte Twins, damit sie die Erde weiterretteten. Als die Maya die Gebeine der kleinen Opfer verbrannt haben, haben sie wahrscheinlich gerade diesen Märchen mit lebendigen Opfer gespielt. Der brennende Gräten wurden in die Zenote geschleudert und es ist davon auszugehen, dass auch der Teil mit der Auferstehung nicht funktioniert hat.

Anscheinend wurden verschiedene Rituale unterschiedlichen Opfergruppen zuerkannt. Die typischen Kratzer an den Ärmeln sind nur bei Frauen zu sehen, während Brandflecken nur bei Kleinkindern zu sehen sind. In Chichén Itzá wurden offenbar verschiedene Opferbräuche durchgeführt. Die Palette des Repertoires reicht vom Enthäuten, Kratzen von Beinen, Köpfen, Brennen, Herausreißen von Herzen bis hin zum Ertrinken von Menschen.

Der Großteil der Opfer war männlich, und das war jedenfalls überraschend. Es wird oft gesagt, dass Opfer von Opfern so harmlos wie möglich sein müssen, d.h. zärtliche Mädchen und Jungen. Das war nicht der Fall und angesichts der Umstand, dass es in der Mayamythologie hauptsächlich um Menschen ging, macht es auch keinen Unterschied.

Als die Maya für den Regen-Gott Chaac geopfert wurden. Er war im Maya-Pantheon der Gott von Regen und Donner, aber auch von Fertilität und damit von Ackerbau. Der Chaac wurde als launisch, regelrecht grantig angesehen. Die Maya mussten ihn bei Laune erhalten, denn er war es, der den Gott des Kornes am Ende der trockenen Jahreszeit befreit hat.

Der Mais war das Hauptnahrungsmittel der Maya und seine bloße Existenz war von einer gesunden Weinlese abhängig. Übrigens, die Maya hatten vier Exemplare des Gottes Chaac - eines für jede Richtung - und er hatte vier kleine Helfershelfer, die Bacab. Bei der Opferung übernahmen vier kleine Jungs ihre Aufgabe.

Damit der Gott barmherzig ist, wurden die Opfer während der Feier in das Cenotenwasser gesenkt und dort ertrunken. Sie sind durch dieses Zeremoniell in das Königreich von Gott übergegangen und wurden so schließlich seine Gefährten. Sie haben geglaubt, dass der Gott kleine Dinge genießt und dies könnte die unverhältnismäßig häufig vorkommenden Kindopfer auslösen.

Nehmen wir zum Beispiel an, dass die Maya auch das Frischwasser der Zenoten als Trinkwasserversorgung genutzt haben, ist es ein wenig merkwürdig, sie mit Kadavern zu kontaminieren. Es ist noch nicht klar, ob sich die Maya dessen nicht bewußt waren oder ob sie ihr Wasser lediglich von einem anderen Ort bezogen haben. Die Beobachtungen von Guillermo de Anda beruhen nämlich auf sehr begrenztem Informationsmaterial.

Alle von ihm geprüften Gebeine entstammen dem Cenoten von Chichén Itzá und müssen nicht unbedingt stellvertretend sein. Guillermo de Anda, der Archäologe unter Wasser, schult seine Schüler auch im Unterwassertauchen.

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