Maya Zeitalter

Maya-Zeitalter

Die neue Maya-Ära gab Anlass zu Feiern und esoterischen Experimenten. In der ersten Zeit gab es keine Menschen. Eine neue Ära für die Maya? Die Maya sollen dies vor Tausenden von Jahren vorausgesagt haben - nur ein B' aktun, ein 400-Jahres-Zyklus im Maya-Kalendersystem, ist zu Ende und ein weiterer hat begonnen. In den Läden türmten sich meterhohe Hefte zum Sujet, verworrene Vorstellungen für ein "Nachher", wie die Erwartungshaltung eines neuen Aufklärungzeitalters und die Ausländerlandung.

In den Berichten wurden die Maya von heute jedoch kaum erwähnt. All dies hat wenig mit dem eigentlichen Maya-Kalender zu tun, denn es gab nie eine ganz bestimmte Vorhersage für das Jahr 2012. Eher suggerieren hieroglyphische Texte, dass die Maya viele Jahrmilliarden an die Existenz dieser Erde dachten.

Sie verstanden die Zeit in einem zyklischen Prozess und jedes Ende einer Zeitperiode war mit einem Neuanfang assoziiert. Nach dem Tod von 90 % der einheimischen Bevölkerungen an den Folgen europäischer Epidemien und dem Verbot ihres Glaubens fiel auch die Idee der von Christenmissionaren ausgebreiteten Weltuntergang auf fruchtbare Böden unter den Maya. Der verheerende guatemaltekische Bürgerkrieg von 1960 bis 1996, dem mehrere zehntausend Menschen zum Opfer gefallen sind, hat die alte Sitte an vielen Stellen völlig zum Stillstand gebracht.

Manche Wissenschaftler wie Nikolaj Grübe geben ihr Wissen gerne an die heutige Maya weiter, das sie durch die Entschlüsselung von antiken Beschriftungen haben. Der Medienhysterie über ihren Terminkalender und seine Neuinterpretation wird von den Maya heftig kritisiert. Einige esoterische Schriftsteller zweifeln auch daran, dass die Maya ihr beträchtliches Wissen über Baukunst und Mathe selbst herausgebracht haben.

Ein rassistisches Weltbild, das allein Europa als Geburtsstätte der Kultur erkennt - und seit Jahrzehnten die ideologischen Grundlagen der politischen Macht Lateinamerikas ist, um die indigene Bevölkerung an den Rande der Gesellschaften zu treiben - wird durch die Sensationslust der deutschen Massenmedien noch weiter gefördert: Auch die Landesregierung wurde kritisiert: In der Absicht, Feriengäste anzuziehen, erstellte die Fremdenverkehrsbehörde Guatemalas besondere Routen, die jedoch die ärmeren Gebiete der Maya umfahren.

Darüber hinaus organisierte die Autorität am 20. September 2012 in der alten Tikalstadt im hohen Norden eine Großveranstaltung mit Lichtspielen und volkstümlichen Aufführungen. Auch in ihren anderen Herkunftsländern wie Mexiko, Belize, Honduras und El Salvador gehören die Maya zu den Ärmsten und Diskriminiertesten.

Die Maya werden für den Energiepflanzenanbau von ihrem Land verjagt. Viele Maya sind bei allen derzeitigen Schwierigkeiten optimistisch für die weitere Entwicklung, denn ein neuer B'aktun hat angefangen. Der bekannte Schriftsteller Gaspar Pedro Gonzales - auch Q'anjobal-Maya - sieht den Maya den Tag des Jahres 2012 als willkommen.

Hat eine neue Ära eingesetzt, dann sollte sie eine werden, in der die Maya endlich anerkannt werden und die indigenen und nichtindigenen Völker die ökologischen, sozialen und politischen Fragen anpacken. Im Gegensatz zu UFO-Jüngern und Weltuntergangsfanatikern glaubt viele Maya nicht, dass sie ihrem Los untätig ausgesetzt sind, sondern dass sie selbst bestimmen können, in welcher Art von Umwelt sie sich aufhalten.

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