Musiktherapie Deutschland

Music Therapy Deutschland

Am Anfang der Musiktherapie in Deutschland: Mentoring-Kurs Musiktherapie Herdecke. Beginn der Musiktherapie in Deutschland. Nationales Register des Bundesverbandes für Musiktherapie für alle ausgebildeten und aktiven Musiktherapeuten in Deutschland.

Beginn der Musiktherapie in Deutschland

Neben einem Kolloquium über Karl Amadeus Hartmann und einem Kolloquium zu Fragestellungen der Musikinterpretation, Musikrezeption und Musikarchivierung wurde auf der jährlichen Tagung der Dt. Musikwissenschaftlichen Vereinigung 2005 ein Kolloquium zu geschichtlichen Gesichtspunkten der Musiktherapie abgehalten - mit vielen hochkarätigen Vertretern der Branche. Schon zu Beginn der Tagung wies die magdeburgische Musikologin Manuela Schwartz darauf hin, dass die Historie der Musiktherapie nicht zu umfangreich sein sollte und dass alles und jedes einbezogen werden sollte, vom Harfenspiel Davids über die Affekttheorie von Kirchner bis zur anthroposophischen Arbeit von Rudolf Steiner.

Das führt nur dazu, dass die gesamte musikalische Historie schließlich in eine Musiktherapiegeschichte überführt wird. Deshalb hat sie für das Kolloquium den Anfang der Wissenschaftsgeschichte gesetzt, wo im deutschen und internationalen Raum eine klare Entwicklung und eine weite Verbreitung der Musiktherapie begann. Zeitlich bezieht sich dies auf den Zeitraum vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis Anfang der 70er Jahre.

Schwartz zufolge kann die Entscheidung der USR, die Technologie zur Therapie von kriegtraumatisierten Militärs zu nutzen, als ein bedeutendes Geschehen auf dem Weg zur neuzeitlichen Musiktherapie angesehen werden. 1958 wurde die Österr. Vereinigung zur Promotion der Musikmedizin als gemeinsames medizinisch-musikwissenschaftliches Gesamtprojekt gegründet, und etwa zur gleichen Zeit nahm Christoph Schwabe an der Neuropsychiatrie in Leipzig die Tätigkeit zur Musiktherapie in der DDR auf.

Die erst 1973 gegründete Dt. Musiktherapiegesellschaft hat sich als hinterherhinkender erwiesen. Ein wichtiger Entwicklungsschwerpunkt in diesen Dekaden war die Verlagerung zu Improvisationskonzepten, die in den frühen 70er Jahren zu Kontakten mit Repräsentanten der Neuen Medien - vor allem der Komponisten Mauricio Kagel - führte.

Diese hatten sich von den Beschränkungen der strikten Serienschule gelöst und durch ihre Improvisationsaktivitäten, die Verständigung durch musikalische und kompositorische Freiheit den Grundstein für die Befreiung der Musiktherapie Anfang der 70er Jahre gelegt. Andererseits war Schwartz in ihrem Vortrag davon Ã?berzeugt, dass die EinflÃ?sse der Musiktherapie bei der Untersuchung der allmÃ?hlichen VerÃ?nderungen der Ãsthetik und Sozialpsychologie der Neuen Medien berÃ?cksichtigt werden sollten.

Karin Schumacher erinnert sich an ihre Ansätze als Medizintherapeutin an der Psychiatrie Steinhof in Wien und ihre dort geleistete Tätigkeit mit englischer Hantel und Gruppenimprovisation - zu einer Zeit, als der Gedanke, dass Geisteskranke wiederhergestellt werden können, noch jung war. Die Musiktherapie fand damals ausschließlich im Rahmen der Klinik statt.

Weil der Musiktherapeutenberuf noch keine gesetzliche Geltung hat, so Schumacher, muss man sich bis heute die Frage stellen, was man tatsächlich erfahren hat, auch wenn sich die Musiktherapeutengemeinschaft von Einzelkämpfern zu einer Gemeinde entwickelt hat, die den Informationsaustausch nach den Richtlinien einer Wissenschaftsdisziplin pflegt.

Aber auch Schumacher mahnte, den Terminus "Musiktherapie" nicht zu breit zu verwenden. So war es zum Beispiel schwer zu verstehen, warum das Zusammensingen mit Menschen mit Behinderungen als Musiktherapie bezeichnet werden sollte. Hierfür gibt es Primärindikationen, bei denen eine Musiktherapie erforderlich ist und andere Verfahren nicht den gleichen Effekt erzielen können. Die Musiktherapie sollte sich auf diese Anwendungsbereiche ausrichten.

Sie sind überzeugt, dass es dringlich ist, sie in einem Verein zu vereinigen, um nach außen hin ein einheitliches und entschlossenes Bild vermitteln zu können. Petra Jürgens, die in der damaligen DDR als Therapeutin tätig wurde, stellte sich in ihren Ausführungen zur Subjektgeschichte im deutschsprachigen Raum die Frage, wie und von wem sich eine Musiktherapie in der "staatlich geordneten mentalen und raumbezogenen Eingrenzung der DDR " entwickeln könnte, die in der praxiserfolgreichen, international anerkannten und wissenschaftlich bemerkenswerten Weise fundiert war.

Von 1967 bis 1969 zog sie ein Beispiel für eine Entwicklungsgeschichte, die von einem wachsenden naturwissenschaftlichen Interesse am Fach und der Arbeit des Wissenschaftlers Christoph Schwab zur psychotherapeutischen Tätigkeit bei der Neugründung der Abteilung Musiktherapie der GäPT (Gesellschaft für Ärztliche Psychotherapie) geführt wurde. In der amtlichen DDR-Literatur beispielsweise gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass seit 1968 im Gottesdienstseminar, das schließlich mehr als 500 Musiktherapeutinnen und -therapeuten in der DDR in die berufliche Praxis entließ, eine musiktherapeutische Vorbereitung erfolgt ist.

Sie umreißt die wichtigsten Stationen der Musiktherapie in der DDR wie folgt: Man kann die 50er Jahre als eine Zeit der Wegbereiter und Beginne mit ersten geschriebenen Werken betrachten, in den 60er Jahren wurde das Thema erweitert und entwickelt und eine Berufsbildungsförderung eingeleitet. Den Beginn der Musiktherapie in Wien skizziert die in der Donau-Stadt arbeitende Künstlerin Dr. med. Elena Fitzthum.

Dort waren es vor allem in erster Linie die Mädchen aus einer geisteswissenschaftlich ausgebildeten Oberschicht, die das Geschick der Musiktherapie beeinflussten. Es war wichtig, dass die Kinder des jüdischen Umfelds eine fundierte Musikausbildung und -weiterbildung hatten. Die weiteren Einflussfaktoren auf die Entstehung der Musiktherapie in Wien kamen von Elsa Gindler und ihrem Studenten Heinrich Jacoby sowie Dorothea Günther und Carl Orff mit ihrer rhythmisch und körperbetonten Tätigkeit in Deutschland.

Die Studentin von Jaques-Dalcroze, Mimi Sheiblauer, schuf den Grundstein für die kurative Bildungsarbeit. Rudolf Steiner, der Gründer der Antroposophie, hatte auch einen großen Anteil an der Entstehung der Musiktherapie in Wien. Jakobi war der Ansicht, dass anscheinend nicht existierende Musizierbarkeit auf psychologische Verstopfungen zurückgeht. Auch Oscar Rainer ging laut Fitzthum diesen Weg und schuf mit seinem Werk über Sinästhesie den Grundstein für die harmonische Symbolkraft von Rudolf Haase und Ernst Sündermann - er bezeichnete es als "musikalische Grafik".

Laut Fitzthum kann die hier und da geäußerte Vermutung, dass die Musiktherapie in Österreich aus den USA eingeführt wurde, in keiner Weise nachgewiesen werden. Initiatoren dieser Bewegung auf der Ostseeinsel waren die Musikanten, die den kunstvollen Charakter der Behandlung hervorhoben. Der Wegbereiter Paul Nordoff war ein an der Juillliard School in New York ausgebildeter Musikant und Kompositionskünstler, der sich eingehend mit der Tiefpsychologie beschäftigte.

Aber auch der Schriftsteller Benjamin Birthday hat ihre Werke tatkräftig und fürsorglich begleitet. Andere hervorragende Musikerpersönlichkeiten der englischen Musiktherapie sind Julia Alvin und Mary Priestley. Letztere, die Tochtergesellschaft des Dramatikers J.B. Priestley, hat als Studentin von Alvin eine Analyse-Musiktherapie auf der Grundlage von Einflussfaktoren der freigewordenen psychoanalytischen Analyse entwickelt, die - laut Patrick - wahrscheinlich mehr Einfluß auf Deutschland, Skandinavien und Kanada hatte als auf Großbritannien selbst.

Schon nach dem Gymnasium absolvierte sie eine private Handelsschule und beschäftigte sich mit dem Thema Klavier, anstatt dem Bedürfnis ihres Großvaters nach einem Medizinstudium gerecht zu werden. Sie können auch als nicht-musikalisches Spielgerät verwendet werden. Auf Vorschlag des Wegbereiters Christoph Schwabe startete die Musikerzieherin Ingeborg Stein ihre Beschäftigung mit der Musiktherapie in der DDR, die sie ermutigte, sich mit dem Thema in der Praxis zu beschäftigen.

Sie hatte als wissenschaftliche Mitarbeiterin unter anderem die Möglichkeit, eine - erste ihrer Art - Abschlussarbeit über die Nutzung von Klangmusik zur Erholung bei Kosmetikbehandlungen zu verfassen. Der praktischen klinischen Tätigkeit stießen dagegen gewisse Einschränkungen zu, da kein Einsicht in die Krankenakten und damit keine eingehende Untersuchung von Krankheitsbildern möglich war und die Behandlungsform auch von Medizinern mit einer vordergründigen Idee von "Musik ist immer gut" getroffen wurde.

In Jena hat sich dieses musikalisch-therapeutische Werk zwischen 1970 und 1974 auch in der bisher erschienenen geschichtlichen Fachliteratur nicht wiedergefunden. In Leipzig war die Lage anders, wo die Musiktherapie Teil einer Mehrzwecktherapie war. Ab 1974 entwickelt Ingeborg Stein auf der Grundlage ihres musiotherapeutischen und musikwissenschaftlichen Hintergrunds Ansätze zur Förderung der Kreativität und des regulatorischen Musikunterrichts und betreibt eine breite empirisch wegweisende Forschung zu den Verfahren der Musikerfahrung.

Die Psychosomatikerin Scharm Willms hat sich über die ärztlichen Gesichtspunkte gezielt den Einstieg in das Therapeutische Fachgebiet gesucht und zunächst die aktuelle Debatte über die Möglichkeiten von Wirknachweisen für die Musiktherapie kommentiert. Dabei verwies er auf einen 2004 in der "Musiktherapeutischen Umschau" veröffentlichten Beitrag, in dem solchen Anforderungen konsequent nachkommt. Heute, so Willms, gibt es offenbar wieder einmal Unsicherheiten über die Art der Musiktherapie.

Er erinnert sich an eine vergleichbare Sachlage in den 60er Jahren, als unbestimmte Nutzung der Technik als Mittel zur aktiven Erholung in ärztlichen und therapeutischen Kontexten. Sollen Arbeiten durchgeführt werden, so darf der wirtschaftliche Vorteil nicht im Mittelpunkt des Interesses sein. Unter diesen Bedingungen entwickelte sich eine neue Form der Musiktherapie als aktives Improvisieren auf simplen Geräten und am liebsten in einer Gruppenarbeit.

Lilli Friedemann zum Beispiel hatte eine improvisierte Gemeinschaftsarbeit erarbeitet, die sie als Kunsttherapie begriff und auch als eine zeitgemäße, zeitgenössische Musikpraxis vertrat. Damals war die Musiktherapie auf keinem Niveau so weit fortgeschritten, dass die Auseinandersetzung mit der Neuen ist. In dieser Zeit war es Willms besonders wertvoll, sein Interesse an der Musiktherapie medizinisch und wissenschaftlich zu begründen.

Zur geordneten Steuerung der Entwicklungsarbeit richtete er zunächst eine informelle und kleine "Berlin Working Group for Music Therapy" in Berlin ein und veranstaltete 1971 den ersten Musiktherapiekongress in Berlin, eine Weiterentwicklung, die 1973 zur Bildung der Dt. Ges. für Musiktherapie führte. Findet die Musiktherapie heute in der Heilkunde ihre Wurzeln, war willens, dass sie hinnehmen muss, dass sich in der Praxis immer eine neue Behandlung herausbildet, in der mehrere Verfahren möglich sind und man nicht nur von einer Verfahren abhängig ist - nach dem Motto, dass der Betroffene und sein Leid und nicht die Form der Behandlung der Startpunkt für die Heilungsfrage ist.

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