Therapeutische Musik

Behandlungsmusik

Die Musik baut Ängste ab und lindert Depressionen. Dies war sogar die allererste therapeutische Anwendung von Musik, die überliefert wurde. " Musik ist ein starkes Gegenstück, das uns auf vielfältige Weise emotional herausfordert", sagt Klinkenstein.

Therapeutinnen undtherapeuten setzen Musik ein, um Mängel auszugleichen.

"Die Musik ist ein starker Partner, der uns auf vielfältige und emotionale Art und Weisen herausfordert", sagt Klinkenstein. Nur im Verlauf der Behandlung ist es ihr gelungen zu heulen und sich endlich mit der schwierigen Beziehung zu ihrer Mama auseinandersetzen. Die Musik kann nicht nur Gefühle transportieren, sondern auch eine Verständigung ohne Wörter auslösen.

"â??Musikalische Therapie ist vor allem dann angebracht, wenn Menschen nicht reden können", sagt Karin Schumacher, Professur am Zentrum fÃ?r musiktherapeutische Therapie der UniversitÃ?t der KÃ?nste in Berlin. Die Künstlerin untersucht die Möglichkeit, mit Autisten durch einfache, musikimprovisierte Musik in Berührung zu kommen und ihre zwischenmenschlichen Kompetenzen zu erlernen. "â??Wir wollen auch mit Musik Komapatienten erreichenâ??, sagt Schumacher.

Ein kleines Kollektiv von Fachmusiktherapeuten kümmert sich in der Therapieeinrichtung um den Nachwuchs, dessen Pädagogen und Pädagogen angesichts von massiven Entwicklungsrückständen und Verhaltensproblemen nicht mehr wissen, was sie tun sollen und die hier vom Jugendämter weitergeleitet werden. Diverse, zumeist schlichte Werkzeuge hingen an den Mauern, in der Eckbank befindet sich ein Piano. Ein zweijähriger Paul*, der mit seiner Mama kommt, setzt sich auf den Untergrund.

Kathrin Vogt schließt sich den beiden an, schlÃ?gt die Gitarrensaiten und fÃ?hrt ein Improvisationslied: "Hello, Paul, Hello, Hello, Paul, Hello, Paul, Paul, what's there? Der Junge sitzt seiner Großmutter in den Kopf. Während Paulus' Hände angehoben werden, pausiert Vogt in ihrem Gesang und schafft eine kleine dramaturgische Pausen.

Nur wenn die Hand von Mama und Baby nach unten fällt, setzt sie mit der nÃ??chsten Note fort. Angespornt durch den witzigen Nebeneffekt hob er seine Armlehnen wieder an, dieses Mal aus eigener Kraft - und wieder hielt der Therapeut inne. Auf die kleinsten Stöße reagierte sie immer wieder, kommentierte das Benehmen von Müttern und Kindern mit Guitarre und Singen, während sie sich zu gemeinschaftlichen Handlungen trafen.

"Paulus' Beschwerden resultieren daraus, dass die Mütter bisher sehr vorsichtig und ungesichert reagierten und nicht in der Lage waren, auf die Zeichen ihres Kleinkindes zu reagieren ", erläutert der Therapeut. In solchen Situationen der Mütter- und Väterbeziehung initiiert sie etwas, was in der Regel schon in der frühen Entwicklungsphase des Kleinkindes vorkommt. Mit onomatopoetischen Überzeichnungen in ihrer Muttersprache bemühen sich die Erziehungsberechtigten, die Blicke ihres Säuglings auf sich zu lenken und die Verständigung zu fördern.

"Musik hat viele Bestandteile dieser Frühgeborenensprache", sagt Vogt. "â??Ich fÃ?hre Mama und das Kinde in Verbindung und stimme ihre Handlungen und Wahrnehmungen ab. Bei der kanadischen Diplompsychologin Sandra Trehub, die sich seit langem mit der Wechselwirkung von Säuglingen und deren Kindersprache beschäftigt, besteht der Verdacht, dass die Musik in dieser onomatopoetischen Art des Sprechens ihren Ausgangspunkt hat.

Für den amerikanischen Anthropologen Dean Flak ist dies ein Beweis für die gemeinsame Wurzel von Musik und Sprache: "Als das Gehirn der ersten Menschen immer grösser wurde, wurden Säuglinge immer unreifer geboren, so dass ihre Häupter noch durch den Entbindungskanal gehen konnten. Die neugeborenen Äffchen können sich an das Pelz ihrer Mutter klammern, während die Vormenschlichen laut Falken eine Chance zur akustischen Beruhigung ihres Kindes entwickelt haben müssen.

Bleiben sie durch Flüstern und Glockenspielen mit dem Kleinkind in Verbindung, könnten sie auch ein wachendes Baby einfacher niederlegen und die Finger frei haben, so die Theorien. Die Aufteilung in Musikanten und Passivhörer ist eine verhältnismäßig neue Dimension. Für den größten Teil der menschlichen Geschichte war Musik wahrscheinlich eine gemeinschaftliche Erfahrung, die oft mit dem Tanzen verbunden war.

Die Psychologin Robin Davbar von der University of Liverpool behauptet, dass schon früh entdeckte Hominide ihr Hirn durch Musik und Tanz gemeinsam in herrliche Endorphine getaucht hätten - als Gegenstück zu den gemeinsamen Läusen von Äffchen, die zu einer Dopaminausschüttung im Hirn führen und damit die sozialen Verhältnisse stärken. Laut Davidson schließt die Musik heute sozusagen die "Endorphin-Lücke", die seit der Herausbildung der intellektuelleren Verständigung durch das Sprechen entsteht.

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