Tiefenpsychologie

Tiefpsychologie

mw-headline" id="Grundannahmen_der_Tiefenpsychologie">Basisannahmen_der_Tiefenpsychologie[Bearbeiten | < Quellcode bearbeiten] Die Tiefenpsychologie umfasst alle mentalen und therapeutischen Konzepte, die großen Wert auf bewusstlose mentale Vorgänge legen, um menschliches Verhalten und Erfahrung zu erklären. Der Leitgedanke der Tiefenpsychologie ist, dass "unter der Oberfläche" des Gewahrseins in den tiefen Schichten der Seele weitere, bewusstlose Vorgänge stattfinden, die das Bewusstseinsseelenleben nachhaltig prägen.

Dieser Standpunkt wurde bereits vor Sigmund Friedrich in den Bereichen Philosphie (Leibniz, Schließauer, Nietzsche) und romantische Literaturgeschichte geäußert, aber Friedrich war der erste, der diese Vermutung konsequent nachvollzog und seine Erkenntnisse dann auf die tiefpsychologische Fakultät der psychoanalytischen Forschung stützte. Ab 1913 benutzte er den von Eugen Bluler eingebrachten Terminus Tiefenpsychologie, um zwischen seiner eigenen und der damals in der wissenschaftlichen Psyche herrschenden Psychoanalyse und der Erkenntnispsychologie zu differenzieren.

Neben der psychoanalytischen Forschung sind die von Carl Gustav Jung beeinflusste Analysepsychologie und die von Alfred Adler entwickelten Individualpsychologien bekannt. All diese tiefenpsychologischen Orientierungen sind der Meinung, dass bewusstes Erfahren und Handeln auf Prozessen der Antriebsregelung und Konfliktbearbeitung basiert. Die in der "Tiefe" des Unterbewussten stattfindenden seelischen Vorgänge werden durch Triebe und andere Motivationsprozesse mitbestimmt.

Ein zentraler Punkt zwischen den drei oben erwähnten tiefpsychologischen Ausbildungen ist die Natur der entsprechenden Triebkräfte: Auch wenn Freud dem Geschlechtstrieb große Aufmerksamkeit schenkt, konzentriert sich Jung auf eine unbestimmte Antriebsenergie und das Streben nach Macht im Mittelpunkt der geistigen Antriebe. Ein Teil dieser unterbewussten geistigen Prozesse folgt völlig anderen funktionalen Prinzipien oder Gesetzen (siehe unten) als die bewusst ablaufenden Prozesse.

Dieses Teil hat einen großen Einfluss auf unsere Erfahrung und unser Benehmen und wird als (dynamische) unbewusste Tiefenpsychologie bezeichne. Die mitunter hinzugefügte Eigenschaft "dynamisch" sollte sie von jenen geistigen Prozessen unterscheiden, die nicht bewußt erfasst sind, aber den speziellen Grundsätzen des "tatsächlichen" Unbewußten nicht folgen (siehe auch Psychodynamik).

In der vertieften Psychologie wird das Unterbewusstsein auch als "Ort" der essentiellen Antriebskräfte des seelischen Lebens betrachtet (Freud nannte es in seinem Instanzmodell der Psyche). Doch später benutzte er den Terminus "unbewusst" hauptsächlich als Adjektiv. Es ist nicht mehr nur eine Qualität der übersinnlichen Natur "es", auch das Ego und das Überich haben bewusstlose Züge.

Laut Freud kennzeichnen folgende Merkmale das Unbewusste: Alogie: Die Gesetze der Logistik finden hier keine Anwendung und haben keinen Einfluß auf den Inhalt des Unterbewussten. Widerspruch: Im Unterbewusstsein können Widersprüche gleich sein oder das Gegengewicht ausmachen. In diesem Kontext bezieht sich Freud auf die Formulierung, in der einige Wörter, so genannte "Originalwörter", eine gegensätzliche Bedeutung haben können (Lateinisch: Altus = "hoch": "tief" oder Sakral = "heilig": "verflucht").

Gleichzeitigkeit: Prozesse im Unterbewusstsein haben keinen Bezug zur Zeit, so dass sie nicht rechtzeitig angeordnet sind. Der Gedanke, dass es mit dem Unterbewusstsein einen anderen Psychenbereich gibt, der nach völlig anderen Gesetzen arbeitet als das Bewußtsein, wurde von der Schulpsychologie längst unterdrückt. Für die empirisch-experimentelle Untersuchung von tiefenpsychologischen Thesen hat sich die Gestaltungspsychologie hervorragend bewährt - einige Thesen konnten sich bestätigen, andere wurden modifiziert (vgl. die Arbeit von Wolfgang Metzger).

Eine wichtige Konzeption in allen Fachbereichen der Tiefenpsychologie ist der psychologische Repressionsmechanismus. Die Unterdrückung von schmerzhaften, emotionalen, unangenehmen Erlebnissen aus dem Bewußtsein wurde von Freud zunächst als "Verteidigung gegen Erinnerungen" definiert. Übermittlung tritt auf, wenn jemand Erwartungshaltungen (z.B. Rollenerwartungen), Sehnsüchte, Ängste oder Überzeugungen anspricht, die sich in vorhergehenden bedeutenden Zusammenhängen mit dem Benehmen oder den Merkmalen von anderen entwickelt haben.

Im Rahmen einer klassischpsychologischen Behandlung nach Freud wird die Entstehung einer Transferbeziehung zum Analyten durch das Umfeld der Psychoanalyse explizit beabsichtigt und vorangetrieben (Liegen auf der Liege, der Therapeut liegt außerhalb des Sichtfeldes, etc.). Es ist der Eindruck, dass die internalisierten konfliktuellen Empfindungen (Ängste, Scham oder Schuld, etc.) zu den originalen Referenzpersonen in der Beziehungspflege mit dem Analysten wieder aufleben und erfahren werden sollen ("Transferneurose"), aber nun mit Unterstützung des Analysten von neuem durchführbar sind.

Frédéric Freud hat diesen Vorgang mit den Worten "Erinnern, Erneuern und Durcharbeiten" zusammengefasst und gesagt, dass man die Neurosen nicht "in Abwesenheit" (in Abbildung) töten kann. Ein Transfer von vergangenen, prägenden Beziehungsmustern erfolgt nicht nur in einer psycheanalytischen Verbindung, sondern in fast allen interpersonellen Verbindungen - auch in anderen Formen der Psychotherapie, wo diese Vorgänge meist unbemerkt und thematisch nichtisiert werden.

Die kindliche Entwicklungsgeschichte wird in allen drei Hauptströmen der Tiefenpsychologie als entscheidend für die zukünftige Person angesehen. Zunächst betrachtete Freud die so genannten posthypnotischen Suggestionen als Beleg für das Unterbewusstsein, was bedeutet, dass Kommandos, die einem Hypnosen vorgeschlagen werden, nach dem Aufwachen aus der Hypnosetrance durchgeführt werden, obwohl sich der Betroffene nicht an den Kommandobefehl errinert.

Freud hat diesen Weg zur Therapie der Gebärmutterhalskrebs von Jean-Martin Charcot eingeschlagen. Das heißt für den Gedanken des Unterbewussten, dass sich das Subjekt zwar nicht daran erinnert, der Auftrag aber so viel Anspannung hat, dass er ihn ausführen kann, obwohl er sich fragt, warum er es tut. Freuds Ausrutscher oder Freuds Fehlleistungen wurden auch verwendet, um den Gedanken des Unterbewussten zu nähern.

Für ihn waren seine Assoziations-Experimente ein Beleg für das Unterbewusstsein. Neben dem eigenen Unterbewusstsein nahm er auch eine andere Gestalt an, das Kollektivunbewusste (als tieferes Unbewusstes, vgl. Archetypus). Laut E. S. E. bestimmt dieser frühe Lebenseindruck den größtenteils unbewußten Lebensentwurf des Menschen, d.h. wie er sich und seine Umgebung einschätzen kann, wie er das Handeln seiner Mitmenschen interpretiert und wie er die drei Aufgaben des Lebens auflöst - Arbeiten, Lieben, Gemeinschaft.

Sie ist für die einzelnen Psychologen im Adler' schen Sinn ein Indikator für die psychische Verfassung des Einzelnen, der sich dann in seinem Verhältnis zur Gesellschaft und ihrem gegenseitigen Einfluß auf sie entwickeln und verfestigen kann. Jüngste Forschungen belegen zum Teil diese Versuche aus den Ursprüngen der Tiefenpsychologie (1890-1920). Hieraus kann man schlussfolgern, dass es in der Tat ungewollte Beweggründe für das menschliche Handeln gibt.

Durch die unmittelbare Betrachtung von Babys und kleinen Kindern, zum Beispiel mit dem Szenario Freundeskreis von Mary Ainsworth, wird die Grundlage für eine gesunde oder gereizte Lebensweise in der Psychologie beleuchtet und in der Tiefe bestimmt. Einige Erkenntnisse der heutigen Gehirnforschung weisen auch große Gemeinsamkeiten mit den Thesen und Mustern der Tiefenpsychologie auf.

Der Tiefenpsychologie kommen auch geisteswissenschaftliche Verfahren zugute, vor allem Hermäontologie, Konstruktivismus, Sys tem (Psyche als System) und Kollaboration. Kritiken der Tiefenpsychologie finden sich vor allem in den Rängen anderer Psychologieparadigmen. Vor allem wird bemängelt, dass die Theorie und das Modell der Tiefenpsychologie mit nicht ausreichend wissenschaftlichen Mitteln aufgebaut wurden.

In den letzten Jahren wurden die tiefpsychologischen Thesen zur normaler psychosozialer Ent-wicklung vom Kind zum Erwachsenem durch die Deutung von Kindheitsgedächtnis und Traum von Patienten der Erwachsenenpsychotherapie retroaktiv aufbereitet. Das Ergebnis ist ein menschliches Bild, das Fehlbeträge und Auseinandersetzungen als wesentliche Grundlage für eine normale Weiterentwicklung betrachtet. Anders als z. B. der tiefenpsychologische Zugang werden die grundlegenden Annahmen der Kognitionstherapie mit Hilfe empirisch-statistischer Untersuchungsmethoden aufbereitet.

Obwohl Tiefenpsychologie und -psychologie auch auf empirischen Verfahren basieren, sind diese, wenn überhaupt, schwierig zu verstehen bzw. zu überprüfen oder nur indirekt möglich. Dem in der wissenschaftlichen Theorienbildung verbreiteten Fälschungsprinzip, wonach Thesen so zu formulieren sind, dass sie grundsätzlich erfahrungsgemäß widerlegt werden können, weicht das tiefpsychologische Vorbild aus.

Das Einbringen vieler Theoriekonstrukte hat zur Folge, dass sich die tiefpsychologische Denkstruktur immer wieder aufs Neue bewährt, da immer wieder andere Erklärungsansätze aus dem tiefpsychologischen Gedankengut konsultiert werden können, um einer Verfälschung zu begegnen. Weiterführende, tiefenpsychologisch begründete Ansatzpunkte sind: Zwei Formen der tiefpsychologischen Psychotherapie werden in Deutschland im Grunde genommen von den Kassen (im Sinne der Psychotherapierichtlinien) finanziert: Siegfried Elhardt: Tiefenpsychologie.

Kohlammer, Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz 2006, ISBN 3-17-016988-2 Josef Rattner: Klassische Konzepte der psychoanalytischen Forschung. Beltz, Weinheim 1995, ISBN 3-621-27276-3 Gerald Mackenthun: Grundlagen der Tiefenpsychologie. Psychosoziale Abteilung, Güssen 2013, ISBN 978-3-8379-2285-1 und der Deutschen Vereinigung für Sozialpsychologie, Physiotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie e.V. International Society for Tiefenpsychologie e. V. Was ist eine tiefenpsychologische Therapie?

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