Ursache und Wirkung Buddhismus

Verursacher- und Wirkungs-Buddhismus

Stephen Batchelor über Achtsamkeit ohne Ethik und Buddhismus ohne Religion. Buddha sagte: "Du bist, was du warst, und du wirst sein, was du tust". Der Buddhismus in einer jahrhundertealten Zeit Stephen Batchelor, der berühmte Buddhist, erzählt im Gespräch mit der Ursache-Wirkungs-Redakteurin Ester-Platzer von einer Aufmerksamkeit ohne Moral und einem Buddhismus ohne Religionszugehörigkeit. Es ist meiner Meinung nach ebenso rechthaberisch zu behaupten, dass es keine Neugeburt gibt, wie zu behaupten, dass es eine gibt. Selbst Menschen, die an die Neugeburt denken, wissen es am Ende des Tages nicht.

Beim Buddhismus als Religionszugehörigkeit behält man bestimmte Dinge, die man aus religiöser Überzeugung nicht wissen kann, wie z.B. die Auferstehung. Im Religionsbuddhismus gibt es eindeutig die Neugeburt, das bezweifle ich nicht. Aber für mich ist es ein Weg zu einem ethisch einwandfreien Dasein. Benötigen wir heute in der heutigen Zeit eine neue Art des Buddhismus?

Meiner Meinung nach sind Ausdrücke wie die der westlichen und östlichen Hemisphäre eine völlig überholte Begrifflichkeit aus der Zeit des Colonialismus. Heutzutage sind wir in einer globalisierten Zeit. Mein Lebensweg unterscheidet sich kaum von dem eines Menschen in Bangkok oder Tokio. Alle wir suchen nach einem neuen Lebensstil mit einer Vorstellung für das Weltdorf, in dem wir wohnen.

Eher geht es darum, wie der Buddhismus mit der Moderne, der Weltkrise, der Politik und der Zerstörung der Umwelt umgeht. Dass der Buddhismus sich immer wieder aufs Neue entwickelt und adaptiert hat, beweist die Historie. Der Buddhismus wird sich dann über mehrere Jahrhunderte hinweg allmählich einfügen. Eine zweite Gelegenheit wäre, die Lehren des Buddhismus zu kritisieren und zu suchen, um eine für die Menschen in der gegenwärtigen Gesellschaft ansprechende Ausdrucksweise zu haben.

Viele Menschen finden sich in Dharma Praktiken wieder, sind aber im herkömmlichen Buddhismus nicht zu Hause. "Eher geht es darum, wie der Buddhismus mit der heutigen Forschung, der Weltwirtschaftskrise, der Politik und der Zerstörung der Umwelt umgeht. Der tibetische Buddhismus hat mich dazu gebracht, die buddhistische Lehre in Frage zu stellen.

Buddhismus hat eine große historische Bedeutung. Der Teil des Buddhismus ist nicht in die Moderne und damit auch nicht in den Abendland eingedrungen. Während meiner Ausbildungszeit wurde mir jedoch gelehrt, dass es darauf ankommt, dass man sich Gedanken machen muss. Glaubst du, dass der Buddhismus dazu beitragen kann, das Leiden in der ganzen Welt auszugleichen?

Es geht mir lieber darum, zu erfahren, mit dem Leiden in der ganzen Welt zurechtzukommen. Buddhas Beschreibung des Lebens als Geburts-, Krankheits-, Alters- und Todesfall. Nur wer überhaupt nicht lebt, kann Geburten, Krankheiten und Todesfälle ausgleichen. Laut Überlieferung verläßt er das Schloss und begegnet einem Erkrankten.

Dieses Zusammentreffen führte ihn zu der Frage: "Was tue ich hier und wie will ich denn nun weiterleben? "Stattdessen wird er mit tiefen existentiellen Fragestellungen über die Vernunft und den Sinn des Menschenlebens konfrontiert. Die existentiellen Fragestellungen werden im Rahmen des Dharmas behandelt. Sie zeigen uns, wie wir durch das Bewusstsein unserer Mortalität und unseres Leidens glücklich in uns selbst und in unserer Umwelt werden.

"Buddhismus hat eine große historische Überlieferung. "Glaubst du, der Buddhismus ist in zwei Himmelsrichtungen geteilt, in religiöse und weltliche? Viele Menschen legen großen Wert auf ethische Grundsätze, Philosophien und Meditationen, wollen aber nichts mit dem Religionsbuddhismus zu tun haben. Die Menschen sind auf der Suche nach etwas anderem, sie wollen sich nicht vor goldfarbenen Darstellungen verneigen oder zum Beispiel an die Neugeburt glaubens.

Aber es gibt auch Menschen, die ihre Religionen im Buddhismus wiederfinden. Es ist gut, wenn die Religionsausübung ihr tägliches Brot bereichert und glücklich macht. Wie auch immer, ich erkenne hier die Gefahren der Teilung im Buddhismus. Ich kann jedoch nicht genau bestimmen, welche langfristigen Folgen dies haben wird. Der weltliche Ansatz trägt immer das große Wagnis, die eigene Buddhismusidentität zu verlieren und eventuell Teil der psychotherapeutischen Behandlung zu werden.

Dies ist eine allumfassende Art, das eigene Verhalten in dieser Lebenswelt zu verstehen und moralisch zu handeln. Religiöse Buddha isten haben Recht, wenn sie behaupten, dass das Ding dadurch untergeht. Aus dem Buddhismus will ich mich nicht herauslösen, sondern versuchen, den Menschen ein Gesamtbild zu geben.

Ausgehend von den Urtexten sind Moral, Spiritualität, Meditation and Philosphie die zentralen Bestandteile unserer Zeit und unserer Zeit. Ist es wahr, dass Sie sich selbst einen weltlichen Buddha nennen? Ja, ich würde mich selbst als weltlichen Buddha beschreiben, obwohl ich das Stichwort weltlich nicht ganz problemlos empfinde. Die religiösen Buddhisten, die sich über mich beklagen, üben nicht immer Kritik an meinen Auffassungen.

Oft geht es bei der Religionslehre nicht darum, dass man sich fragt, sondern um die richtige Antwort. Aber es ist sehr viel wichtiger, die richtige Frage zu haben. "Zur Überwindung von Geburten, Krankheiten und Todesfällen muss man überhaupt nicht existieren. "Sie haben ein weiteres Werk mit dem Namen "Nach dem Buddhismus" veröffentlicht.

Darin befasse ich mich mit Buddhas Lebensweise und sehe ihn als eine geschichtliche Person. Dabei geht es vor allem um sein eigenes Verhalten, seine Belehrungen und die Gemeinschaft unter Berücksichtung der Zeit, in der er war. Es ist mir sehr am Herzen liegend, wie Buddha mit'normalen' Menschen umgegangen ist. Und ich bemühe mich, sein eigenes Wissen und seine Belehrung zusammenzuführen, damit das gesamte Wesen des Lebens als Ganzes begriffen werden kann.

Meine Neuinterpretation zeigt, was Buddhas Lehre für uns Menschen im 21. Jahrhunderts bedeutet. Glaubst du, der Buddhismus kann uns bei der Lösung der heutigen Weltprobleme behilflich sein? Die Behauptung, der Buddhismus könne zum Beispiel den Klimawechsel stoppen, ist dumm.

Auf der anderen seite ist der Buddhismus sehr gut geeignet, um zu erlernen, wie man mit dem Klimawechsel umgeht. Er machte darin deutlich, dass der Klimaschutz eine ethische Angelegenheit ist und dass die ganze Menschheit von der Habgier getrieben wird, die im Großkapitalismus zum Ausdruck kommt. Manche sehr engagierten buddhistischen Philosophen haben das schon lange gesagt, aber es ist immer sehr nützlich zu wissen, dass der Heilige Vater auch auf unserer Seite ist.

Die große Frage unserer Zeit ist nicht, ob wir alle Anforderungen mit der modernen Technik meistern können, sondern es geht um viel tiefere Fragen: Können wir ein einfaches und gieriges Alltagsleben haben? Sie sind nicht nur ein Thema der buddhistischen, sondern auch der menschlichen Gesellschaft.

Buddhismus liefert Einsichten, Moral und Lebensphilosophie, die uns dazu verhelfen können, unser Dasein zu ändern - weg vom Verbrauch und Antrieb des kapitalistischen Lebens hin zu einem einfachen, inhaltlichen und bewußten Dasein. Insofern kann der Buddhismus zwar weiterhelfen, aber er hat nicht alle Möglichkeiten. Es ist die Aufgabe der buddhistischen Gemeinde, die Ergebnisse so zu gestalten, dass die Menschen sie begreifen und üben können.

"Der Dharma ist eine allumfassende Art, das eigene Verhalten in dieser Erde zu verstehen und moralisch zu handeln. "Wird der Buddhismus benutzt, um die eigene Gesundheit und das allgemeine Wohlergehen zu steigern, nicht um das allgemeine Wohlergehen zu steigern? Der Buddha hat gelehrt, menschliches Elend zu mindern. Falls Menschen, die darunter leidet und nach einer Lösung sucht, sie in der Buddhismuspraxis entdecken und sie nur für sich selbst benutzen, um glücklicher zu werden, habe ich kein Hindernis damit.

Aber was ich in der letzten Zeit durch meine Tätigkeit bei Exerzitien bemerkt habe, ist, dass es immer wieder Menschen gibt, die sehr wenig über den Buddhismus wissen. Manche wollen nicht nur ein Lebensproblem meistern und erlernen, entspannter und leistungsfähiger zu sein. Das Achtsame hat ihnen ein anderes Bild von sich und der Umwelt vermittelt.

Sobald man sich dessen bewusst wird, stellen sich wieder neue Fragestellungen, zum Beispiel über den Sinn des Daseins, und dann googeln sie die Aufmerksamkeit und erkennen, dass es sich um eine Praxis der buddhistischen Meditation handelt. Der 1953 geborene Stephen Batchelor ist Buddhist und Schriftsteller.

So hat er unter anderem die klassischen buddhistischen Schriften aus dem tibetanischen Sprachraum übertragen und mehrere Werke geschrieben, darunter'Buddhismus für Ungläubige' und sein jetziges Buch'Nach dem Buddhismus'.

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