Das kleine Ayurveda-Lexikon: 20 wichtige Begriffe erklärt
Published on 23. September 2026
Ayurveda ist die traditionelle Heilkunst Indiens und wird seit über 2000 Jahren praktiziert. Die meisten Begriffe stammen aus dem Sanskrit und wirken zunächst ungewohnt. Die 20 wichtigsten Begriffe werden einfach erklärt, damit Sie in Artikeln, Kursen oder Gesprächen mitreden können.
Ayurveda ist ein ganzheitliches System. Seine Wirksamkeit ist nach Maßstäben der evidenzbasierten Medizin kaum belegt. Die Begriffe zeigen aber, nach welcher Logik diese Lehre funktioniert.
Die drei Doshas
Dosha – Der Begriff bedeutet wörtlich „Makel“ oder „Fleck“, beschreibt aber die drei Grundprinzipien, die Körper und Geist steuern. Jeder Mensch trägt alle drei Doshas in sich, meist mit einer individuellen Gewichtung. Ein Ungleichgewicht kann Beschwerden verursachen. Viele ayurvedische Empfehlungen zielen darauf ab, die Doshas wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Vata – Vata steht für Bewegung und wird den Elementen Luft und Raum zugeordnet. Es steuert Atmung, Blutfluss, Nervenimpulse und den Transport von Stoffen im Körper. Menschen mit viel Vata gelten als kreativ und lebendig. Bei Ungleichgewicht neigen sie zu Unruhe, Schlafproblemen und Trockenheit.
Pitta – Pitta ist mit Feuer und Wasser verbunden und verantwortlich für Stoffwechsel, Verdauung und Körpertemperatur. Es wandelt Nahrung in Energie um. Bei zu viel Pitta zeigen sich oft Ärger, Sodbrennen oder Entzündungen.
Kapha – Kapha besteht aus Erde und Wasser und gibt dem Körper Struktur und Stabilität. Es bildet Gewebe, schmiert Gelenke und schützt die Schleimhäute. Ein Überschuss an Kapha äußert sich häufig in Trägheit, Gewichtszunahme und Verschleimung.
Verdauung und Stoffwechsel
Agni – Agni ist das Verdauungsfeuer, das alle Nahrung und Eindrücke verarbeitet. Ein starkes Agni gilt als Grundlage für gute Verdauung und klare Wahrnehmung. Ein schwaches Agni gilt als Ursache für Müdigkeit und Völlegefühl. Viele ayurvedische Empfehlungen zielen darauf ab, Agni zu stärken.
Ama – Ama sind unverdaute Rückstände, die entstehen, wenn Agni zu schwach ist. Sie lagern sich in den Geweben ab und gelten als Ursache vieler Beschwerden. Anzeichen für Ama sind ein belegter Zungenbelag, Mundgeruch und ein schweres Gefühl nach dem Essen.
Dhatu – Dhatu bezeichnet die Gewebearten im Körper, von Blut und Muskeln bis zu Knochen und Fortpflanzungsgewebe. Ayurveda geht davon aus, dass die Qualität dieser Gewebe von der Verdauung und den Doshas abhängt.
Srotas – Srotas sind die Kanäle, durch die Nährstoffe, Abfallstoffe und Informationen im Körper fließen. Dazu gehören Blutgefäße, Lymphbahnen und der Verdauungstrakt. Verstopfte Srotas gelten als Ursache für Krankheiten. Deshalb legt Ayurveda Wert auf regelmäßige Reinigung.
Lebensenergie und Geist
Prana – Prana ist die Lebensenergie, die über den Atem aufgenommen wird. Sie steuert alle Bewegungen und geistigen Prozesse. Atemübungen, im Ayurveda Pranayama genannt, sollen Prana stärken und den Geist beruhigen.
Ojas – Ojas ist die feine Substanz, die aus guter Verdauung entsteht und für Vitalität, Immunität und geistige Klarheit sorgt. Ein Mangel an Ojas gilt als Ursache für Erschöpfung und erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten. Ruhe, ausreichend Schlaf und nährende Nahrung sollen Ojas aufbauen.
Prakriti – Prakriti ist die angeborene Konstitution, die bei der Geburt festgelegt ist. Sie beschreibt das individuelle Mischungsverhältnis der Doshas. Wer seine Prakriti kennt, kann Ernährung und Alltag besser darauf abstimmen.
Vikriti – Vikriti ist der aktuelle Zustand der Doshas, der von der Prakriti abweichen kann. Der Unterschied zwischen Prakriti und Vikriti zeigt, wo ein Ungleichgewicht besteht. Ayurveda-Behandlungen zielen darauf ab, Vikriti wieder in Richtung Prakriti zu bringen.
Reinigung und Behandlung
Panchakarma – Panchakarma ist eine mehrwöchige Reinigungskur mit fünf klassischen Verfahren wie Erbrechen, Abführen und Einläufen. Sie soll Ama ausleiten und die Doshas ins Gleichgewicht bringen. Panchakarma sollte nur unter fachkundiger Anleitung durchgeführt werden.
Abhyanga – Abhyanga ist eine Ganzkörpermassage mit warmem Öl, das auf den Dosha-Typ abgestimmt ist. Sie soll die Durchblutung fördern, Muskeln lockern und das Nervensystem beruhigen. Viele Menschen nutzen sie als wöchentliches Ritual zur Entspannung.
Shirodhara – Bei Shirodhara fließt ein gleichmäßiger Strahl warmen Öls über die Stirn. Die Behandlung gilt als stark beruhigend für das Nervensystem. Sie wird traditionell bei Schlafstörungen und Stress eingesetzt.
Rasayana – Rasayana umfasst Maßnahmen zur Verjüngung und Stärkung, etwa bestimmte Kräuter, Ernährung und Lebensstil. Ziel ist es, Ojas aufzubauen und den Alterungsprozess zu verlangsamen. Dazu gehören auch regelmäßige Bewegung und geistige Übungen.
Alltag und Ernährung
Dinacharya – Dinacharya ist die empfohlene Tagesroutine, die feste Zeiten für Aufstehen, Mahlzeiten, Arbeit und Schlaf vorsieht. Sie soll die natürlichen Rhythmen des Körpers unterstützen. Dazu gehören zum Beispiel Zungenreinigung, Ölziehen und ein frühes Abendessen.
Triphala – Triphala ist eine Mischung aus drei Früchten, nämlich Amalaki, Bibhitaki und Haritaki. Sie wird traditionell zur Unterstützung der Verdauung und als sanftes Abführmittel verwendet. Sie gilt als eines der wichtigsten ayurvedischen Kräuterrezepte.
Ashwagandha – Ashwagandha ist eine Pflanze, deren Wurzel in der ayurvedischen Tradition zur Stärkung und bei Stress eingesetzt wird. Sie wird oft als Pulver oder Kapsel eingenommen. Wissenschaftliche Belege für die Wirkung sind begrenzt. Die Anwendung ist aber weit verbreitet.
Ghee – Ghee ist geklärte Butter, aus der Wasser und Milcheiweiß entfernt wurden. Es ist hitzestabil und wird in der ayurvedischen Küche zum Braten und für Ölmassagen verwendet. Ghee gilt als leicht verdaulich und dient traditionell als Träger für Kräuter.