Einfache Atemübungen für zwischendurch

Published on 28. September 2026

Eine Minute bewusster Atmung reicht oft, um bei Hektik klarer zu denken und ruhiger zu werden. Im Ayurveda und Yoga heißt diese Praxis Pranayama – das bewusste Lenken des Atems. Sie brauchen keine Vorkenntnisse, keine Matte und keine Geräte, nur ein paar ruhige Minuten und die Aufmerksamkeit auf den eigenen Atem.

Der Atem zeigt direkt, wie es Ihnen geht: Entspannt atmen Sie ruhig und gleichmäßig, bei Aufregung oder Wut schneller und flacher. Diese Verbindung können Sie nutzen. Wer bewusst langsamer und tiefer atmet, gibt dem Körper das Signal, das Nervensystem herunterzufahren. Zwei bis fünf Minuten Atempause genügen oft, um aus dem Gedankenkarussell auszusteigen und wieder bei sich anzukommen.

Warum eine Atempause den Geist beruhigt

Eine Atempause unterbricht den automatischen Ablauf des Tages. Statt weiterzuarbeiten, zu scrollen oder zu grübeln, richten Sie die Aufmerksamkeit für einen Moment vollständig auf die Atmung. Das klingt banal, hat aber einen konkreten Effekt: Der Geist kann nur eine begrenzte Anzahl von Aufgaben gleichzeitig bearbeiten. Wenn er sich auf das langsame Ein- und Ausatmen konzentriert, bleibt weniger Raum für Sorgen und Reizüberflutung.

Viele Menschen stellen sich dabei vor, mit dem Einatmen frische Energie aufzunehmen und mit dem Ausatmen das abzugeben, was sie nicht mehr brauchen. Ob man dieser Vorstellung folgt oder nicht, ist Geschmackssache. Wichtig ist die Wirkung: Die gleichmäßige, tiefe Atmung beruhigt, gleicht aus und erfrischt zugleich. Sie eignet sich deshalb gut als Vorbereitung für eine Entspannungsphase oder einfach als kurze Auszeit zwischen zwei Terminen.

Die Wechselatmung Schritt für Schritt

Die bekannteste und einfachste Übung ist die Wechselatmung. Sie gleicht die beiden Körperhälften aus und gilt im Ayurveda als besonders ausgleichend. So gehen Sie vor:

  1. Setzen Sie sich aufrecht hin, am besten mit gekreuzten Beinen auf dem Boden oder auf einem Stuhl. Der Rücken bleibt gerade, die Schultern fallen entspannt nach hinten unten.
  2. Beugen Sie Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand zur Handfläche. Daumen, Ringfinger und kleiner Finger bleiben gestreckt.
  3. Schließen Sie die Augen und halten Sie mit dem Daumen das rechte Nasenloch zu.
  4. Atmen Sie durch das linke Nasenloch lang und tief ein. Halten Sie den Atem kurz an.
  5. Lösen Sie den Daumen und atmen Sie durch das rechte Nasenloch vollständig aus.
  6. Atmen Sie nun durch das rechte Nasenloch wieder ein, verschließen Sie es mit dem Daumen und atmen Sie links aus.
  7. Wiederholen Sie diesen Wechsel etwa zehnmal. Zum Abschluss atmen Sie ein paar Runden ruhig durch beide Nasenlöcher.

Wenn Ihnen das Anhalten des Atems unangenehm ist, lassen Sie es einfach weg. Die Übung funktioniert auch ohne die kurze Pause nach dem Einatmen. Wichtig ist allein der gleichmäßige Wechsel zwischen den beiden Nasenlöchern.

Zwei einfache Varianten für Ruhe oder Energie

Sie brauchen nicht immer die volle Wechselatmung. Für den Alltag gibt es zwei abgewandelte Formen, die gezielt in eine Richtung wirken.

Bei der beruhigenden Variante atmen Sie nur durch das linke Nasenloch ein, verschließen es und atmen durch das rechte Nasenloch aus. Diese Übung eignet sich gut am Abend oder in Momenten, in denen Sie zur Ruhe kommen möchten. Die anregende Variante ist genau umgekehrt: Sie atmen nur durch das rechte Nasenloch ein, verschließen es und atmen links aus. Sie wirkt erfrischend und hilft, wenn Sie morgens schwer in Gang kommen oder nachmittags ein Konzentrationstief spüren.

Beide Varianten sind bewusst einfach gehalten. Sie müssen nicht perfekt sitzen oder eine bestimmte Atemdauer einhalten. Entscheidend ist, dass Sie die Richtung einhalten und den Atem ruhig fließen lassen. Wer unsicher ist, ob die Übungen für die eigene Gesundheit geeignet sind, etwa bei Atemwegserkrankungen oder Herz-Kreislauf-Problemen, sollte vorher mit einem Arzt oder einer Ärztin sprechen.

So gelingt die Atempause im Alltag

Die Übungen lassen sich zu jeder Tageszeit einbauen: morgens nach dem Aufwachen, als kurze Pause zwischen Arbeitsaufgaben oder abends vor dem Einschlafen. Sie funktionieren im Sitzen und im Liegen. Wichtig ist nur, dass Sie möglichst nicht gestört werden. Schalten Sie das Telefon stumm, schließen Sie die Tür und gönnen Sie sich die zwei bis fünf Minuten.

Dabei werden Sie vermutlich feststellen, dass Gedanken, Geräusche oder leichte körperliche Anspannung auftauchen. Das ist kein Fehler, sondern Teil der Übung. Sie müssen nichts wegschieben, sondern nur bemerken, dass die Aufmerksamkeit abgewandert ist, und sie freundlich zum Atem zurückführen. Genau dieses Zurückkommen trainiert die Selbstwahrnehmung, und darin liegt der eigentliche Wert der Atempause.