Fünf Wellness-Trends, die eigentlich aus dem Ayurveda stammen
Published on 29. September 2026
Kupferflasche, Ashwagandha, Zungenreinigung, Ölziehen und goldene Milch: Was in sozialen Medien und Drogerien wie eine neue Erfindung wirkt, gehört in Indien seit Jahrhunderten zum Alltag. Ayurveda, die traditionelle indische Heilkunst, kennt diese Praktiken lange vor dem Wellness-Boom. Sie sind Teil einer täglichen Routine, die Körper und Geist in Balance halten soll.
Die ursprünglichen Versionen dieser Trends sind meist einfacher und günstiger als die verkauften Spezialprodukte. Sie ersetzen keine ärztliche Behandlung und kein Zähneputzen. Sie lassen sich aber ohne teure Extras in den Alltag einbauen.
Wasser aus der Kupferflasche
Wer in einer Kupferflasche Wasser über Nacht stehen lässt und am Morgen trinkt, folgt einer alten ayurvedischen Gewohnheit. In Indien gilt Wasser aus Kupfergefäßen als reinigend und belebend. Das Metall gibt winzige Mengen Kupferionen an das Wasser ab. Kupfer hilft dem Körper, Eisen aufzunehmen, und wirkt als Antioxidans. Die Forschung dazu ist noch nicht abgeschlossen.
Für den Alltag reicht eine Flasche aus reinem Kupfer, die innen nicht beschichtet ist. Füllen Sie sie abends mit Leitungswasser, lassen Sie es über Nacht stehen und trinken Sie es am nächsten Morgen. Reinigen Sie die Flasche regelmäßig mit Zitronensaft und Salz und spülen Sie sie danach gründlich aus. Füllen Sie keine säurehaltigen Getränke wie Orangensaft oder Zitronenwasser hinein, denn Säure löst zu viel Kupfer aus dem Metall. Ein Glas davon am Tag reicht. Die Gewohnheit ist mild, aber kein Heilmittel.
Ashwagandha gegen Stress
Ashwagandha, auch Schlafbeere genannt, ist eines der bekanntesten Kräuter des Ayurveda. Verwendet wird vor allem die Wurzel der Pflanze Withania somnifera; in der ayurvedischen Tradition gilt sie als stärkendes Mittel bei Stress, Erschöpfung und Schlafproblemen. Im Wellness-Handel finden Sie Ashwagandha als Pulver, Kapseln oder Gummibärchen. Die traditionelle Form ist das Pulver aus getrockneter Wurzel.
So geht’s klassisch: Rühren Sie eine kleine Menge Pulver, etwa eine Messerspitze, in warme Milch und trinken Sie das am Abend. Die Wirkung baut sich über Wochen auf. Wissenschaftliche Studien zur stressreduzierenden Wirkung gibt es, sie sind aber klein und kommen nicht immer zu denselben Ergebnissen. Wer schwanger ist, Schilddrüsenmedikamente nimmt oder ein Schilddrüsenleiden hat, sollte vorher mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen. Kaufen Sie Ashwagandha von Anbietern, die Herkunft und Verarbeitung offen angeben.
Zungenreinigung am Morgen
Die Zungenreinigung gehört im Ayurveda zum festen Morgenritual. Vor dem Frühstück, oft vor dem Zähneputzen, wird der weiße Belag auf der Zunge mit einem flachen Schaber entfernt. In Indien waren dafür traditionell Kupfer, Silber oder Gold im Einsatz, heute tut es auch Edelstahl. Der Belag besteht aus Bakterien und Speiseresten. Wer ihn entfernt, beugt Mundgeruch vor und entlastet das Zahnfleisch. Auch die Zahnmedizin bestätigt, dass die Reinigung der Zunge die Menge an geruchsbildenden Bakterien im Mund verringert.
Nehmen Sie einen Zungenschaber aus Metall, setzen Sie ihn hinten auf der Zunge an und ziehen Sie ihn in einigen sanften Strichen nach vorn. Spülen Sie den Schaber nach jedem Strich ab. Drücken Sie nicht zu fest. Wenn es schmerzt oder blutet, ist der Druck zu hoch. Wer keinen Schaber zur Hand hat, kann für den Anfang einen umgedrehten Teelöffel verwenden. Ein flacher Schaber ist aber sanfter und erreicht den hinteren Zungenbereich besser.
Ölziehen mit Sesamöl
Beim Ölziehen wird morgens ein Esslöffel Öl für zehn bis zwanzig Minuten im Mund hin und her bewegt und danach ausgespuckt. Die ayurvedische Bezeichnung ist Gandusha. Traditionell kommt Sesamöl zum Einsatz, im Westen wird oft Kokosöl verwendet. Das Öl soll Bakterien aus dem Mundraum binden, Mundgeruch lindern und das Zahnfleisch kräftigen. Es gibt einzelne Studien, die weniger Belag und weniger Zahnfleischentzündungen zeigen. Die Studienlage ist aber dünn.
Was Ölziehen nicht kann: Es ersetzt weder Zähneputzen noch Zahnseide. Schlucken Sie das Öl nicht, denn es enthält nach dem Spülen Bakterien aus dem Mund. Spucken Sie es in den Hausmüll, nicht ins Waschbecken, weil Öl die Abflussrohre verklebt. Wer zwanzig Minuten zu lang findet, beginnt mit fünf Minuten und steigert sich. Führen Sie das Ölziehen vor dem Frühstück durch. Danach spülen Sie den Mund mit warmem Wasser und putzen wie gewohnt die Zähne.
Goldene Milch
Die goldene Milch, im Ayurveda Haldi Doodh genannt, ist warme Milch mit Kurkuma. In Indien gilt sie als Hausmittel bei Erkältungen, zur Beruhigung und für einen besseren Schlaf. Im Westen ist sie als Kurkuma-Latte aus Cafés bekannt. Kurkuma enthält Curcumin, dem entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben werden. Der Körper nimmt Curcumin allerdings schlecht auf. Schwarzer Pfeffer verbessert die Aufnahme, und genau deshalb gehört er in viele traditionelle Rezepte.
So bereiten Sie die goldene Milch zu: Erwärmen Sie eine Tasse Milch oder Pflanzenmilch, rühren Sie etwa einen halben Teelöffel Kurkuma und eine Prise schwarzen Pfeffer ein. Wer mag, gibt frischen Ingwer oder eine Prise Zimt dazu. Honig süßt das Getränk, aber erst wenn die Milch lauwarm ist. Für Kinder unter einem Jahr ist Honig nicht geeignet. Kurkuma färbt stark, also schützen Sie Kleidung und Arbeitsfläche. Die goldene Milch ist ein angenehmes Abendgetränk, kein Medikament. Die Menge an Curcumin in einer Tasse ist klein.
Wo Ayurveda-Trends an Grenzen stoßen
Die fünf Praktiken kommen aus einer Tradition, die den Menschen als Ganzes betrachtet. Im Wellness-Handel werden sie oft als einzelne Produkte mit großen Versprechen verkauft. Die Belege sind unterschiedlich: Für Zungenreinigung und Ölziehen gibt es zahnmedizinische Untersuchungen, für Kupferwasser und Ashwagandha ist die Forschungslage dünner. Keine dieser Praktiken ersetzt eine ärztliche Behandlung, eine ausgewogene Ernährung oder die tägliche Zahnpflege.
Wer Medikamente einnimmt, schwanger ist oder eine chronische Erkrankung hat, spricht vor der regelmäßigen Anwendung besser mit einer Ärztin oder einem Arzt. Achten Sie außerdem auf die Qualität der Produkte. Kupferflaschen sollten innen unbeschichtet sein, Ashwagandha sollte eine klare Herkunftsangabe haben. Wenn ein Produkt übertriebene Wirkungen verspricht, ist Skepsis angebracht.